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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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216
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216 Wiederbelebung asphyctiscber Neugeborener.

Die Schultze'schen Schwingungen haben aber noch den Vortheil, dassder bestimmten Haltung wegen, wobei der Kopf des Kindes beider Exspiration abwärts gehalten wird, die Schleimmassenleichter aus den Luftwegen treten. Allerdings muss dazu auchdas Kind so erhoben werden, dass es sich durch die Schwere des Becken-theils ordentlich zusammenkrümmt. Es empfiehlt sich, bei den erstenErhebungen des Kindes einige leicht schüttelnde Bewegungen zu machen.Unzweifelhaft kann durch die Schultze'schen Schwingungen in ganzluftleere Lungen Luft eingeführt werden.

Seit langem legen wir das Kind mit der Thoraxfläche auf eineHand und lassen Kopf und Füsse hängen. Die Zusammenkrümmungund das Auflegen des Kindes bewirken eine Verengerung des weichenBrustkorbes. In einem bestimmten Rhythmus wird dann das Kind miteinem gewissen Schwung auf die andere Hand gelegt, aber nun .aufseine Rückenfläche. Den Kopf muss man dabei stützen. Auch so er-zielt man tiefe Inspirationen.

Schwieriger als die Einleitung der künstlichen Athmung ist dieHebung der Herzthätigkeit. Für das erstere hat man direct wirkendeMethoden, deren Effect hörbar ist. Auf das Herz kann man nur in-direct einwirken. Dabei ist das beste, dass gerade die Sauerstoffaufnahmedes Blutes das meiste beiträgt, um die Herzthätigkeit zu heben. Esist oft geradezu überraschend, wie ein noch mit langsamem, kaum sicht-barem Herzschlag geborenes Kind den ersten tiefen Athemzug macht,und sofort danach das Herz sich stärker wölbt und rascher zu schlagenbeginnt. Dann ist das Kind dem Leben gewonnen. Bei ausgetragenenund gesunden Kindern darf man nach dem besseren Einsetzen der Herz-thätigkeit auf Erfolg rechnen; ja man muss annehmen, dass dann irgendein anderer besonderer Grund, z. B. eine Missbildung, eine innere Ver-letzung, ein Wirbelbruch oder dergl. vorliege, wenn ein gut entwickel-tes Kind nach dem ersten Athemzug und besserem Einsetzen der Herz-thätigkeit nicht zum Leben gelangt.

Ausser dem sauerstoffreichen Blut, welches das Herz durchströmt,haben wir nur noch Hautreize zur Stärkung der Herzthätigkeit zurVerfügung. Unter diesen Hautreizen ist nur das Frottiren der Hautmit warmen trockenen Tüchern in praxi anwendbar. Wir warnenvor dem Schlagen der Haut, nicht nur wegen des schlechten Eindruckesauf Angehörige, sondern auch wegen der absoluten Nutzlosigkeit beitiefem und der Entbehrlichkeit bei geringgradigem Scheintod. Man er-reicht mehr mit dem kräftigen Reiben der Haut und vermeidet jedenunangenehmen Eindruck.

Noch ein Punkt ist zu erwähnen, nämlich dass man die Schein-todten vor Abkühlung schützt. Man bekommt bei den tief asphyc-tischen Kindern den Eindruck, dass sie unter der Abkühlung reactions-loser werden. Nur auf diese Wirkung läuft das Eintauchen in rechtwarmes Wasser hinaus. Darum nehme man nach Möglichkeit warmeTücher zum Trocknen und Frottiren. Die Reihenfolge der einzelnenActe ist so ziemlich von selbst gegeben.