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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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200 Nachbehandlung, Nahtentfernung.

knoten. Ein besonderes Augenmerk muss man auf die recht genaueAnpassung des obersten gegen den Muttermund gelegenen Wund-winkels und des Anal-Dammwinkels richten.

Dann wird die gerissene Scheidenschleimhaut wieder vereinigt undzuletzt der Damm genäht.

Für diese Fälle empfehlen wir auch eine besondere, mehrflächenhafte Naht. Die Nadeln sollen nicht senkrecht zum Wundrandein- und ausgestochen werden, sondern schief, so dass sie näher gegenden Scheideneingang eingestochen und bis zum oberen Wundwinkelunter dem Wundrand herum schief durchgeführt werden. Man brauchtviel weniger Nadeln, und es heilt besser.

Das Nahtmaterial wird gewöhnlich genau desinficirteSeide sein. Catgut, das den Vortheil hätte, nicht mehr entfernt wer-den zu müssen, hatten wir früher oft versucht, aber nicht bewährt ge-funden, weil es zu rasch aufgesaugt wurde. Dies galt vom gewöhn-lichen Lister'schen Carbolöl-Catgut, das ich deswegen nicht empfehlenkönnte. Seither wird von Schröder *) u. A. das von Kocher, Küsterund anderen Chirurgen eingeführte Juniperus-Oel-Catgut, das manvor .der Härtung in einer stärkeren Sublimatlösung einige Tage quellenlässt, empfohlen und dann mit fortlaufender Naht der Dammriss etagen-weise zusammengenäht.

Wir haben dieses Verfahren in unserer Klinik ebenfalls ange-wendet und oft gute Vereinigung erzielt, doch nicht dieselbe absoluteSicherheit des Erfolges gefunden, wie bei Anwendung von gut des-inficirter Seide. Wahrscheinlich hat dies an zu starkem Anziehen derNähte gelegen.

Die Nachbehandlung der frischen Dammnähte erfordertregelmässige Ausspülungen der Scheide und allfällig das Vorlegen vonJodoformwatte. Bei Schmerzen werden am besten Ueberschläge einerstark verdünnten Opiumtinktur gemacht. Wir haben in der letztenZeit sehr viel Jodoform-Collodium gebraucht und können diesesMittel bestens empfehlen. Die Verschreibung lautet: Jodoform 1,0—2,0und Collodium elasticum 10,0. Die Dammnaht wird damit 1—2malbald nach dem Nähen bepinselt, das Collodium trocknet über der Wundeein und wirkt wie ein antiseptischer Occlusivverband. Der Aethergehaltbedingt auf der frischen Wunde einiges Brennen, das aber rasch vorüber-geht und gegenüber der grösseren Garantie der Heilung gar nicht inBetracht kommt.

Vor einiger Zeit wendeten wir in gleicher Absicht Bepinselungenmit Perubalsam an, der sich zwar als gutes Antisepticum bewährte,aber ebenso Brennen erregte, wie Jodoform-Collodium.

Die Beine zusammenzubinden ist bei ruhigen Personen nicht nöthig.Nur bei ganz bedeutendem Spreizen der Beine entsteht am Damm eineQuerspannung. Kehrer hat diese Entfernung gemessen und gibt 16 Zoll,also 42 cm Knie weite als Maximum des Erlaubten an.

J ) Zeitschr. f. Geb. u. Gyn. Bd. XII. p. 213. 1886.