180 Die Erkennung der Zwillingschwangerschaft.
einem sehr starken Leib. Wie selten gegenüber der Häufigkeitder Prophezeiung sich dies bewahrheitet, kann man alle Tage erleben.Aber auch die Empfindung von Kindesbewegungen an verschiedenenStellen des Abdomens, ungleichförmige Ausdehnung des Uterus, sodass er in zwei durch eine Furche getrennte Segmente getheilt er-scheint, ist wenig zuverlässig. Noch am meisten spricht dafür dasFühlen von kleinen Kindestheilen oder 2 Köpfen an verschiedenenStellen des Uterus.
Theoretisch ist die Diagnose mit Sicherheit zu stellen, wenn amLeib einer Schwangeren an verschiedenen Stellen Herztöne vonungleicher Frequenz zu hören sind. Man lasse sich nicht täuschen!Praktisch taugt dies gar nichts. Ja, wenn man zu gleicher Zeitan beiden Orten hören und zählen könnte, so wäre dies entscheidend.Aber auch wenn man kurz nach einander auscultirt, kann durch denDruck des Stethoskops etc. die Frequenz verändert sein. Und selbst,wenn man mit vieler Mühe es einrichten wollte, gleichzeitig an ver-schiedenen Punkten zu auscultiren, so würde auch dies noch nicht soviel beweisen, als es scheint. Denn je gleichmässiger die Entwicklungvon Zwillingskindern ist, um so geringer wird die Differenz in derFrequenz der Herztöne sein, und die Differenzen sind im besten Fall,wenn man x \i Minute zählt, 1—2 Schläge, stehen auf der Fehler-grenze. Es muss also viel länger gezählt werden, wo es darauf an-kommen soll.
Praktisch ist es immer noch das beste Zeichen, wenn man anverschiedenen Stellen des Abdomens fötale Herztöne hörtund in einer Verbindungslinie zwischen diesen Stellen nicht.Bei grossen, recht stark entwickelten Kindern hört man sie gewöhnlichauch dazwischen. Auf Sicherheit kann aber dieses Zeichen keinen An-spruch machen.
Sicher kann die Diagnose gestellt werden, wenn manbei der Geburt neben fötalen Herztönen bestimmte Zeichenvom Tod des vorliegenden Kindes hat: z. B. Vorfall einer puls-losen Nabelschnur und schlotternde Kopf knochen einer faultodten Frucht,oder Eintreten von Extremitäten, die nicht einem Kinde angehörenkönnen, so zwei gleichnamige Hände, Fuss neben Schulter u. dergl.;endlich durch das Fühlen zweier Fruchtblasen oder ihrer Scheidewand(Depaul). Am sichersten und häufigsten, ohne Mühe, aber auch ohneEhre wird die Diagnose gestellt — wenn schon ein Kind geboren ist.Die Diagnose von Drillingen oder Vierlingen ist im Voraus ganz un-möglich.
Die Dauer der Zwillingsgeburt pflegt nicht länger zu seinals die einfache '). Dazu trägt wesentlich bei, dass die Kinder durch-schnittlich kleiner sind und 26— 27 °/o Frühgeburten vorkommen. TrägeWehenthätigkeit ist zwar nicht selten und zwar in der Eröffnungsperiodebei ungewöhnlich ausgedehnter Gebärmutter und auch bei der Aus-
') Hecker, Beobachtungen, p. 45.