178 Das Verhalten der Zwillingsplacenten.
2) Die Nabelbläschen liegen dicht bei einander und finden sichin oder in der Nähe der Amnion-Scbeidewand,
dann können die Früchte von zwei verschiedenen Keimblasenstammen; sie können aber auch auf einer Keimblase ge-wachsen sein, deren Dotter sich getheilt hat (Schultze).
3) Es findet sich nur ein Nabelbläschen vor; dasselbe liegtzwischen den Insertionen der Nabelschnüre oder in einer der Nabel-schnüre,
dann stammen die Zwillinge von einem Dotter.
Weil sehr oft die Dotterbläschen schwer aufzufinden sind, istdiese dritte Alternative recht dunkel. Es können diese Ausführungennur den Zweck haben, bei allen Fällen von eineiigen Zwillingen zurForschung nach dem Dotterbläschen anzuregen. Ein grösseres Materialkann dann eine Grundlage geben zur Entscheidung über den Ursprung.
Normaler Weise besteht das Septum zweier Eisäcke aus mindestens2 Membranen. Als grosse Seltenheiten sind aber Fälle beschrieben,wo die beiden Früchte in einer Höhle lagen. Sehr häufigwar dabei eine Verschlingung der Nabelschnüre vorhandenund hatte gerade dies die Aufmerksamkeit der Geburtshelfer erregt.Die Häufigkeit dieses Vorkommnisses ist z. Z. einer wohl basirten Be-rechnung entrückt.
Zur Erklärung tritt B. S. Schultze für eine von Anfang an ge-meinsam angelegte Amnionhöhle ein, während Ahlfeld mit voller Ent-schiedenheit, Kleinwächter und Leishmann wenigstens halbwegs,den Schwund der voran gebildeten Amnien annehmen. Unterdiesen Autoren plaidirt Ahlfeld für Schwund durch Entzündung. Inseiner Zusammenstellung der bisher beschriebenen Fälle (Arch. f. Gyn.Bd. VII. p. 266 u. ff.) führt er zwei an, wo man annehmen könnte,dass kleine Reste der Zwischenwände übrig geblieben wären (C. Meyerund Winslow). Um der so ungewöhnlich nahen Insertionder beiden Nabelschnüre willen nimmt Ahlfeld Usur desSeptums und vollständige regressive Metamorphose an.
Dass unter den beschriebenen Fällen so selten Beste übrig ge-blieben , lässt die obige Deutung nicht sehr wahrscheinlich erscheinen.Man war früher sehr freigebig in der Auffassung von Schwund derEihäute. Man ist darin skeptischer geworden. Am meisten spricht füreventuelle Durchbohrung des Septurns der Fall Otto (1. c. p. 274).
Die Placenten, deren Bildung von der Allantois abhängt, sindursprünglich stets selbständig entwickelt. Doch bilden sich bei ein-eiigen Zwillingen zwischen den Gefässen der beiden Kin-der regelmässig Anastomosen aus, so dass Arterien des einenKindes das Blut schliesslich in die Venen des anderen entleeren undumgekehrt. Es kommen aber auch Anastomosen zwischen den beider-seitigen Arterien vor. So bildet sich neben dem jedem Kind eigen-thümlichen Kreislauf ein beiden gemeinsamer aus. Die Stromstärkedieses Anastomosenkreislaufes beträgt nach Schatz nur etwa den 10.bis 20. Theil des Gesammtstromes eines Zwillings. Dieser gemeinsame