176 Die Besichtigung der Zwillingsplaceuta.
1) aus zwei Graafschen Follikeln stammen. Dann müssen sichauch zwei Corpora lutea vera bilden. Die Follikel und die gelbenKörper können auf einem oder auf beiden Ovarien sitzen. Bei pluri-paren Thieren ist dies die Regel. Zwillinge können sich auch bilden
2) aus einem Graafschen Follikel, der 2 Eier enthielt. Solchesind schon oft in einem Follikel gefunden worden;
3) aus einem Ei.
Hier ist nun die Möglichkeit gegeben, dass Zwillinge entstehenkönnten aus 2 Keimblasen aus einem Ei, resp. einer doppelten Keim-anlage oder aus einer Keimblase durch Spaltung. Zwillinge auseinem Ei haben immer gleiches Geschlecht.
Auffallend ist es, dass mehrfache Schwangerschaft sich nicht seltenbei der gleichen Frau wiederholt, und dass auch solche Kinder wiederhäufiger mit Zwillingen gesegnet werden. Ebenso ist bei einer allgemeinerhöhten Fruchtbarkeit auch die Zahl der mehrfachen Schwangerschaftengrösser.
Thats'ächlich sind die oben gegebenen Möglichkeiten begründet durch dasAuffinden von 2 und 3 Eiern in einem Graafschen Follikel (Pflüger, drohe,Schrön haben je drei Eier in einem Follikel gefunden); durch das Auffindenvon Drillingen mit einem Chorion (C r e d e ] ). Zwillinge stammen zwar am häufig-sten aus verschiedenen Eiern (Späth 95mal unter 126, Ahlfeld 444mal unter506 Fällen, also aus einem Ei nur 31 : 126 und 62 : 506, ungefähr wie 1 : 8,1),
Die Entstehung von Zwillingen aus einem Ei hat zu verschiedenenVermuthungen geführt. Die eine Zahl der Autoren, deren hauptsächlicher Ver-treter Schultze ist, nimmt an, dass die Zwillinge aus einer Keimblase entstehen,dass aber, sobald auf der Keimscheibe etwas von Keimanlage sichtbar werde, die-selbe immer schon doppelt sei, dass sich dann 2 Fruchthöfe bilden und ausdenselben, wenn sie getrennt bleiben, 2 homologe Zwillinge, wenn sie mit einandermehr oder weniger in Verbindung gerathen, Doppelmissbildungen entstehen.
Die andere Ansicht, hauptsächlich von Ahlfeld vertreten, geht dahin, dassdie Fruchtanlage in allen Fällen eine einfache sei, dass sich aber diese einfacheAnlage mehr oder weniger spalten könne und hiedurch verwachsene oder voll-ständig getrennte Zwillinge zu Stande kommen.
Solche Theorien lassen sich nur an der Hand von Untersuchungen bewahr-heiten oder widerlegen. Bemerkenswerth ist es aber, dass die Embryologensich gegen Ah 1 feid's Hypothese erklären und die Meinung derselben für homologeZwillinge und Doppelmissbildungen auf die Präexistenz von doppelterKeimanlage hinausläuft. Vergl. Leo Gerlach, Die Entstehungsweise derDoppelmissbildungen 1882, p. 34 ff. und 92, dann Valentin, Leuckart, Schrohe,Untersuchungen über den Einfluss mechanischer Verletzungen auf die Entwicklungdes Embryo. Giessen 1862.
Die Beschaffenheit der Eihäute ist verschieden, jenachdem die Zwillinge aus einem Ei stammen oder nicht.
Bei der Bildung der Eihäute wurde auseinandergesetzt, dass vonjedem Fötus ein Amnion gebildet werde. Die Norm verlangt alsoauch bei Zwillingen, Drillingen etc., dass ebenso viele Amnienals Kinder vorhanden sind. Das Chorion geht vom Ei aus.Stammen also die Zwillinge aus einem Ei, so ist nur ein Chorion.
') M. f. G. Bd. 30. p. 96.