164 Die Gefahren der Beckenendlagen.
Die Beckenendlagen.
Literatur.
Nägele, H. F.: Die Lehre v. d. Mech. d. Geb. 1838. p. 56. Zur Geschichtep. 222, hier die ältere Literatur. — Hodge: Amer. Journ. of med. sc. July 1871.p. 17. — Küstner: Samml. Hin. Vortr. Nr. 140.
Unter den physiologischen Lagen gehören diese zu den un-günstigsten. Die Ungunst trifft zwar nicht die Mutter, denn dieGeburtsdauer ist durchaus nicht länger, aber um so mehr die Kinder,von denen ein grosser Theil um der Lage willen zu Grunde geht. Dochist die Mortalität nur schwer anzugeben, weil bei keiner Lage das richtigeärztliche Verfahren so bedeutungsvoll ist für Sein oder Nichtsein, alsgerade hier. Ilecker gab die Sterblichkeit der Beckenendlagen währendder Geburt zul3,6 n /o, Winckel zu 20, Ch. Bell zu 22°,'o an. Mögennun auch diese Mortalitätsberechnungen sehr, fast zu hoch erscheinen,so lässt sich doch nicht leugnen, dass die Beckenendlagen grosse Ge-fahren für die Kinder unabwendbar mit sich bringen.
Der Nabelstrang, durch den das kindliche Blut pulsirt, das sichin der Placenta das wichtigste, was zum Leben nothwendig ist, beständigholt — den Sauerstoff und die Nahrung — muss nach der Geburtdes Rumpfes an dem Kopf des Kindes vorbeilaufen. Der Kopffüllt aber bei normaler Grösse das Becken so vollständig aus, dass eineCompression des Nabelstranges unausbleiblich ist. Diese Gefahr istbei Beckenendlagen unvermeidlich und macht deren Prognose für dasKind ungünstiger; denn der Druck auf den Nabel sträng ist gleich-bedeutend mit der Unterbrechung der Athmung, und Jedermannweiss, wie kurz die Lebensfrist noch ist, wenn einem Menschen oderThier die Athmung unterbrochen wird. Es sind schliesslich die gleichenBedingungen wie bei Ertrinkenden oder Erhängten. Das Maximumder Zeitdauer, die von dem Moment weg, wo der Nabel-strang vollkommen zugedrückt zu werden beginnt, bis zurVollendung der Geburt verrinnen darf, beträgt 8—9 Mi-nuten, sonst ist das Leben unwiederbringlich entflohen.Wenn gelegentlich Kinder erst nach dieser Zeit entwickelt und doch nochwiederbelebt werden können, da ist der Druck auf den Nabelstrang, alsoauch die Athmungsunterbrechung nicht vollständig gewesen. Anderer-seits darf man ja nicht darauf bauen, dass man stets 8—9 Minuten Zeithabe. Denn nur kräftige Kinder halten so lange aus, ohne alle Lebens-spur zu verlieren; kleine, frühreife gehen schon viel früher unter.
Wenn nun darin ein Moment viel grösserer Gefahr liegt, als beiSchädellagen, so ist es andererseits auch wieder günstig eingerichtet,dass durch starke Erweiterung des Geburtskanales die Möglichkeit ge-geben ist für einen recht raschen Durchgang des Kopfes. Die Mortalitätder Kinder, die ca. 6mal so gross ist als bei Schädellage (20°/o : 3,l°/o),zeigt, dass dieses letzterwähnte Moment die Gefahr nicht aufwiegt.