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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
123
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Spannung der Fruchtblase, Blasensprang. 123

2) dieAustreibungsperiode, von da an bis zur vollkommenenAusstossung des Kindes, und

3) die Nachgeburtsperiode.

Wenn wir zur bequemeren Auffassung des ganzen Vorganges zu-nächst eine gedrängte Beschreibung der normalen Geburt geben, soist das bemerkenswertheste dabei die Wehenthätigkeit.

Während des Schmerzes wird die Gebärmutter hart undbäumt sich gegen die Vorderbauchwand. Richtiger ist es zu sagen,durch die feste Zusammenziehung und den starken Druck auf dieNervenendigungen wird der Schmerz erregt. Dieses Symptom beherrschtdas Bild der Geburt, undWehe", douleurs, pains, dolores sind diegefürchtete Erscheinung der Geburt. Es ist der einzige physiologischeAct, der unter Schmerzen verläuft, dabei ist die Arbeit der Gebär-mutter der Willkür vollständig entzogen, kann vom Willen weder an-geregt, noch unterdrückt werden. Die Zusammenziehungen erfolgenrhythmisch: es wechseln Contractionen mit Pausen ab. Bei Thierenist die Bewegung eine exquisit peristaltische, ganz analog derjenigendes Darms. Beim Menschen ist dies wahrscheinlich ebenso, aber nichtnachweisbar.

Ganz schmerzlose Geburten kommen wohl fast gar nicht vor.Doch kann der Schmerz gelegentlich so gering und die Geburt fürden letzten Act, das Durchschneiden, schon so gut vorbereitet sein,dass sich die Betreffende des Vorgangs kaum bewusst wird. Sicherkommen jedoch die schmerzlosen Geburten lange nicht so häufig vor,als dies aus den Angaben der Kindsmörderinnen geschlossen werdenkönnte.

Während der Wehen fühlt man innerlich im Muttermund dieprall gespannte Fruchtblase. Die Zusammenziehungen drücken auf denInhalt der Gebärmutterhöhle und das Fruchtwasser pflanzt den Drucküberallhin fort. An der Stelle des geringsten Widerstandes verschiebensich die resistenteren Eihäute, lockern sich von der Decidua. Durchdie Lockerung von der Decidua werden kleine Gefässe eröffnet, es be-kommt der Schleim eine geringfügige, blutige Färbung. Die altenGeburtshelfer nannten dies:es zeichnet". Die gelockerten Eihäute,Chorion und Amnion, stülpen sich unter dem Druck von oben in denCervicalkanal vor:die Blase stellt sich".

Nachdem der Trichter des Gebärmutterhalses sich von oben herweiter eröffnet hat, rückt der Kopf des Kindes in denselben nach undschliesst wie ein Kugelventil die vor ihm befindliche Menge Frucht-wasser ab. Diese abgesperrte Flüssigkeit heisstdas Vorwasser".

Bei einem Durchmesser der Eröffnung, welcher dem des Kopfesnahe kommt, hat der Muttermund die grösstnothwendige Ausdehnungerlangt und wird als vollkommen eröffnet bezeichnet. DieserDurchmesser beträgt 10 11 cm im Durchschnitt. Zu dieser Zeitsind die Ränder des äusseren Muttermundes ganz verdünnt und nachaufwärts gezogen, Scheide und Mutterhals bilden einen Kanal, an demder frühere Muttermund nur als eine feine Leiste vorsteht. Nach dem