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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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Beckenmessung an der Lebenden.

Fig. 72.

Bei 2) die grösste Entfernung der Hüftbeinkämme gemessen.Bei 3) muss wegen des starken Fettpolsters ziemlich stark ein-gedrückt und bei ausgestreckten und zusammenliegenden Oberschenkelngemessen werden.

Etwas mehr Schwierigkeiten macht die Bestimmung der Con-jugata externa. Diese Linie reicht vom Processus spinosus des letz-ten Lendenwirbels bis zum oberen Rand der Symphyse. Ein Blick aufdie Zeichnung genügt, um theoretisch den Werth dieses Beckendurch-messers zu erläutern. Sie fällt beim normalen Becken ziemlich genau

zusammen mit der Conjugata vera. Amtrockenen Becken lässt sich durch eine Sub-traction, welche der Dicke der Wirbelsäuleentspricht, die Conjugata vera (vom Promon-torium zum oberen Rand der Symphyse) an-geben. Aber diese Möglichkeit ist von demUrheber dieses Maasses, Beaudelocque, über-schätzt worden. B. nahm an, durch einenAbzug von 8,1 cm (3") bei mageren und 8,8 cm(3" 4"') bei corpulenten Frauen die Conjugatavera bis auf Linien genau zu finden. DieseErwartung hat sich nicht bestätigt, im Gegen-theil sich als eine grosse Täuschung erwiesen.Man kann aus der Conjugata externadie Conjugata vera niemals genau be-rechnen. Gewöhnlich beträgt der Abzug 9 cm.Aber bei einer Vergleichung der Beckenmaasseder Lebenden mit denen von Leichen ergebensich als nothwendige Abzüge 712,5 cm(Litzmann). Da man nun für einen gegebe-nen Fall keine sicheren Anhaltspunkte hat, obmehr oder weniger abgezogen werden soll, kanndie Berechnung der Conj. vera aus der Conj.externa nicht genau sein. Trotzdem bleibt dasMaass der C. e. für die Praxis ausserordentlichwichtig; denn wenn es 18 oder weniger Centi-meter misst, ist höchst wahrscheinlich eine Verengerung im geradenDurchmesser des Beckeneinganges vorhanden. Wo die äussere Con-jugata unter 16 cm beträgt, ist das Becken immer verengt, bei 20 bis21,5 cm ist eine Verengerung des Beckeneingangs mit grosser Wahr-scheinlichkeit und bei einem Maass über 21,5 cm mit Sicherheit auszu-schliessen.

Die Ausführung selbst wird durch die beigegebene Abbildungvollständig erklärt. Die betreffende Frau muss sich auf eine Seitelegen. Den Dornfortsatz des letzten Lendenwirbels findet man folgender-maassen: Zuerst suche man an der hinteren Beckenwand die Spina post.sup. auf, indem man den freien Rand des Hüftbeinkamms verfolgt biszu der Stelle, wo er sich an das Kreuzbein anschliesst; sehr häufig,

Beckenmesser nach Oslander.