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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
86
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36 Cervix und Scheide in der Schwangerschaft.

drittens eine innere longitudinale Schicht, aus der inneren Längsfaserung des Ei-leiters stammend.

Am untern Theil des Corpus nehmen die Muskelblätter des Lig. teres einenimmer grösseren Theil der Wanddicke ein.

Die sämmtlichen Muskellagen dehnen und erweitern sich, aber auch dieeinzelnen Elemente der Muskulatur, die einzelnenFaserzellen vermehrenund vergrössern sich. Sie wachsen auf das 711 fache in die Länge und25fache in die Breite. Die ursprüngliche Länge ist 0,045 0,09 mm und dieBreite 0,00740,015 mm. Dazu kommt noch an der Innenseite, besonders in denersten 5 Monaten, eine Neubildung contractiler Faserzellen, wahrscheinlich aus auf-gespeichertem embryonalen Material.

An der Vergrösserung nimmt die Cervix nur geringen Antheil. Sie ver-längert sich etwas und wird voluminöser. Deren Muskulatur vermehrt sichgar nicht.

Die Controverse, ob der Cervicalkanal gegen Ende der Schwangerschaftdurch das vorrückende Ei erweitert werde und also zum Theil in der Uterushöhleaufgehe, ist jetzt dahin erledigt, dass dies nur ausnahmsweise und wohl nur durchdie immer vorkommenden Contractionen veranlasst werde. (Vergl. den AbschnittGeburt, Verhalten der Cervix und des Muttermundes.) Bei den anatomischen Unter-suchungen, welche den Ausschlag gaben, sind Contractionen nie auszuschliessen.Auch wo keine Wehen empfunden wurden, waren sie vorhanden.

Die Scheide schwillt an, wird äusserst saft- und blutreich.Das submucöse Fettgewebe schwindet. Dadurch gewinnt die Vaginaan Erweiterungsf'ähigkeit und drängt sich deren Schleimhaut in zahl-reichen Falten vor. Am stärksten ragt der Harnröhrenwulst (Corpuscavernosum vestibuli), oft fingerdick, in den Vorhof hinein.

Was am auffälligsten ist und für die Diagnostik der Schwanger-schaft den grössten Werth hat, ist die dunkelbläuliche Färbung,die gewöhnlich als weinhefenartig bezeichnet wird. (Farbendruck-bild Tafel II, p. 88.)

Die äusseren Geschlechtstheile werden bei vielen Frauenstärker pigmentirt, etwas voluminöser und reicher secernirend.

Die Brüste beginnen schon im Anfang der Schwangerschaft zuschwellen, wesentbch bedingt durch stärkere Anhäufung von Fett zwischenden einzelnen Drüsenlappen. Nicht selten erleiden auch ganz gesundeFrauen einzelne Stiche in den Brüsten und hie und da zur Achselziehende Schmerzen.

Aus der Brustdrüse des Embryo, die mit ihren einzelnen Läppchen und langen,dünnen Ausführungsgängen grosse Aehnlichkeit mit den Hautdrüsen hat, entstehterst in den Pubertätsjahren die weibliche Brust, indem sich die einzelnen Drüsen-läppchen reich verzweigen und vergrössern. Aber erst in der Schwangerschaftgewinnt die Brustdrüse die Vollendung ihres Baues. Die einzelnen Drüsenläppchenverzweigen und vermehren sich noch mehr. Die Endbläschen werden schliesslichzu runden, traubenartig angeordneten Acini. Die Ausführungsgänge der einzelnenDrüsen laufen für sich, haben vor ihrem Eintritt in den Brustwarzenhof eineEctasie Milchsäckchen, Sinus lactiferus und münden als feine Kanäle, ohneunter einander Verbindungen einzugehen, in der Brustwarze.

Die ganze Brustdrüse ist von einem derben Bindegewebe umgeben, das diejungfräuliche Brust gleichmässig umschliesst. In der Schwangerschaft, wenn diereiche Ausbildung und die Secretion begonnen hat, heben sich die Drüsenläppchendeutlich vom Bindegewebe ab und sind aus demselben wie aus bienenwabenähn-lichen Höhlunsren herauszulösen.