84 Muskulatur cles Uterus.
Verhältnisse zwischen einer schwangeren und virginalen Gebärmutter.Das jungfräuliche Organ misst 6,5.cm in der Länge und wächst insolchem Maasse aus, dass es am Ende der Gravidität durchschnittlich35—37 cm lang, 24—26 cm breit und 23—24 cm tief ist.
Der Rauminhalt der Höhle ist das 519fache (Krause), das Ge-wicht das 21—24fache (Meckel) gegenüber dem jungfräulichen Uterus,nämlich von 42 (Nullipara) oder 55 g (Multipara) bis zu 900—1200 g.Moreau beobachtete eine schwangere Gebärmutter im Gewicht von1700g.
Die Gewichtszunahme ist hauptsächlich bedingt durch die gross-artige Entwicklung der Muskulatur. An dieser Entwicklungnehmen alle Fasern und alle einzelnen Faserzellen Theil.
Die Faserrichtung der Muskellagen des menschlichen Uterushat schon viel Kopfzerbrechens gemacht. Wenn sich auch dieselbe amgraviden Uterus am ehesten studiren lässt, so ist man doch bis in diejüngste Zeit im Verständniss nicht wesentlich vorgerückt. Das lag ander falschen Präparation. Man wollte die einzelnen Bündel wie beiquergestreiften Muskeln aufsuchen und fand stets etwas, aber nie etwasBefriedigendes. Die berühmte grosse Arbeit von William Huntermachte darin den Anfang. Die Präparation Hunter's am schwangerenOrgan hatte ergeben, dass der Uterus aus mehreren trennbaren Schichtenbesteht.
Die innerste derselben bildet concentrische Ringe um die dreiOeffnungen des Uterus, nämlich den Muttermund und die beiden Tuben-öffnungen. Die äusserste Schicht zeichnet sich dadurch aus, dass dieFasern in die Uterusanhänge, speciell auf die Tuben und die rundenund breiten Mutterbänder Ausläufer ausschicken. Bemerkenswerth istweiter, dass, während bei der innersten Schicht die beiden Hörner, ausdenen der menschliche Uterus durch Zusammenwachsen entsteht, voll-ständig getrennt ;bleiben, in der oberflächlichsten Schicht eine innigeDurchkreuzung dieser beiden Uterushörner entsteht.
Die mittlere und dickste Schicht repräsentirt ein complicirtesFlechtwerk von Muskelzügen, die zwischen sich zahlreiche Blutgefässe,mit deren Wand sie verwachsen sind, durchtreten lassen.
Die Erforschung der Uterusmuskulatur hat zahlreiche Bearbeitergefunden. Luschka, Kreutzer bestätigen im Wesentlichen die obigenälteren Angaben.
Eine wesentlich bedeutsame Aufklärung brachte Keuler's unterC. Ruge's Leitung angestellte Arbeit. Es wurden von ihm Streifender Uteruswand in ganzer Dicke mit Doppelmessern herausgeschnitten,dann ausgebreitet und deren Faseranordnung studirt. Diese Unter-suchungsmethode ergab eine dachziegelartige Anordnung der ein-zelnen Muskellamellen für den unteren Gebärmutterabschnitt. Den Aus-gang nehmen die Fasern am Peritonealüberzug und laufen unter sichparallel schräg durch die Uteruswand nach innen und unten. Untersich sind alle diese Faserzüge durch querlaufende Seitenstränge durch-kreuzt. In den oberen Partien des Uterus ist die dachziegelartige An-