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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
82
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82 Veränderung der Genitalien während der Schwangerschaft.

Alter steht und die Menstruation bis dahin regelmässig hatte, eineGravidität höchst wahrscheinlich. Ausnahmsweise können auch währendder Schwangerschaft noch ein- oder mehrmals periodische, vierwöchentliche Blut-abgänge eintreten. Gegen die Angabe, dass die Periode durch eine ganze Schwanger-schaftszeit fortgedauert habe, muss man sehr sceptisch sein, da von Frauen Blut-abgänge aller Art als „Regel" bezeichnet werden.

Die Lage der Tuben arn Ende der Gravidität ist durch dieSpannung der Bänder und das Ansteigen der Tubeninsertion gegensonst sehr verändert. Sie laufen fast senkrecht längs den- Seitenkantendes Uterus nach abwärts.

Die Ligamenta lata, rotunda und das Beckenzellgewebe wirdsucculenter, blutreicher. Ihr Ansatz steigt zwar nicht bis zur Höheder Gebärmutter, bis zum sogenannten Fundus uteri, sondern nur einwenig über den Nabel empor, und gerade die Kuppel der Gebärmutterüber den Tubenmündungen wird Fundus uteri genannt und ent-wickelt sich während der Schwangerschaft in ganz ungewöhnlichemGrade. Auch die Tuben werden blutreicher, ihre Schleimhaut verdicktund die Höhlung erweitert.

Die runden Mutterbänder schwellen zu dicken Strängen an(3 mm im Durchmesser), die von ihrer Insertion am Uterushorn, be-sonders während einer Zusammenziehung der Gebärmutter, durch ihrestraffe Spannung auffallen und bis gegen die Mitte des LigamentumPouparti durch die Palpation verfolgt werden können.

Die Blut- und Lymphgefässe nehmen an Länge und Durch-messer zu: die Arterien werden durch das starke Wachsthum in dieLänge korkzieherartig aufgewunden; vielfach gehen dieselben directin Venen über. Diese letzteren werden zu ungewöhnlich weiten Blut-kanälen, die auf dem Durchschnitt der Gebärmutterwand das Bild vonflachliegenden Spalten resp. anastomosirenden Lacunen geben (Uterin-sinus). Am reichsten findet sich diese Anordnung in der Placentarstelle,wo die einzelnen Gefässe unter spitzem Winkel zusammenstossen unddadurch auf Durchschnitten viele in das Lumen vorspringende Faltenzu sehen sind.

Auch die Lymphgefässe verstärken ihr Kaliber, bilden auf derSerosa reich anastomosirende Netze, welche stellenweise Erweite-rungen zeigen (Lymphlacunen), und ziehen sich durch die Uteruswandbis in die Schleimhautschichte vor.

Die Nerven verdicken ihr Neurilemm, schwellen an, sind des-wegen leichter zu erkennen und zu verfolgen. Das Ganglion cervicalevergrössert sich nach Frankenhäuser's Untersuchungen auf das Vier-fache, von s \i'" Länge und ^'"Breite auf 2'" Länge und 1 ^2"' Breite.

Die meiste Bedeutung hat die Veränderung der Mus-kulatur. Das ganze Organ geht eine ausserordentliche Vergrösserungin der Höhle wie in der Gesammtmasse des Gewebes ein. Zwar nimmtdie Wandstärke des Uterus nur im Umfang der Schwangerschaft zu,später wird sie durch das rascher wachsende Ei eher etwas dünner.

Nichts kann die Vergrösserung deutlicher zeigen, als die Raum-