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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
68
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(38 Uebergang gasförmiger, flüssiger und fester Stoffe.

Versuche mit dem Thermometer, deswegen mangelhaft, weil sie beimKind unmittelbar nach der Geburt ausgeführt wurden, schienen geradezuder Lehre der Athmung zu widersprechen. Als aber vou WursterThermometermessungen zu gleicher Zeit in der Vagina der Mutter unddem in Steisslage sich präsentirenden Fötus ausgeführt wurden, ergabsich auch das hypothetisch verlangte Plus an Wärme (Eigenwärmedes Fötus). Es stellte sich eben heraus, dass die Kinder sogleichnach der Geburt bedeutend an Wärme verlieren, somit sich ganz raschabkühlen. Das Mehr an Wärme beträgt beim Kinde in utero überdiejenige des mütterlichen Blutes ca. 0,5 ° C.

Die Ernährung des Fötus kann ausschliesslich durchden Uebergang gelöster Nahrungsmittel vor sich gehen.

Alle löslichen Arzneimittel, deren Nachweis leicht gelingt,sind bei entsprechender Methode und sonst richtigen Versuchsanord-nungen nach Verabreichung an die Mutter im fötalen Blut, Urin undim Fruchtwasser wieder gefunden worden. Nur bei festen Stoffenund bei Zellen waren die Untersuchungsergobnissc widersprechend.Die einen Autoren hatten nur negative Resultate und hielten einenUebergang fester Stoffe für ausgeschlossen. Neuere Untersuchungensprechen aber für einen solchen Uebergang. Gasförmige Stoffeverhalten sich dem Sauerstoff analog und ist auch deren Uebergangsicher nachgewiesen.

Ausser dem Sauerstoff (Zweifel, Respiration des Fötus) ist von Fehlingnoch Kohlenoxyd speetroskopisch und mittels der Hofmann'schen Carbylamin-reaction (auch Isonitrilreaction) und mit Chlorbestimmung Chloroform von mirnachgewiesen worden (Berliner klin. Wochenschrift 1874. Nr. 21 u. Arch. f. Gyn.Bd. XII. p. 235).

Der Uebergang löslicher Arzneimittel ist sehr oft nachgewiesen worden:zuerst nach Verabreichung von Jodkalium durch Schauenstein und Späth (Jahrb.d. Kinderheilkunde von Meyer, Politzer und Schöller Bd. II. 1859. p. 13),Gusserow (Arch. f. Gyn. Bd. III. p. 261), Krukenberg (nach Veraschen desFruchtwassers. Arch. f. Gyn. Bd. 22. p. 1. 1883), die Salicylsäure von Benicke,Zeitschr. f. Geb. u. Frauenkrankheiten (E. Martin), I. p. 477, Arch. f. Gyn. Bd.VIII. p. 536 u. Centralbl. f. Gyn. 1879. p. 178), Bunge (Centralbl. f. Gyn. 1877.p. 75), Zweifel (Arch. f. Gyn. Bd. XII. 1877. p. 235), Ferrocyankalium, Brom-kalium, chlorsaures Kali von Porak (De l'absorption des medicaments par leplacenta etc. Paris 1878). Benzoesäure, Hippursäure, Gusserow (Arch. f. Gyn.Bd. XIII. p. 60).

Das wichtigste, aber auch das schwierigste ist der Nachweis körper-licher Elemente im Fötus. Positive Angaben, die für einen Uebergang vonfein zertheiltem Zinnober aus dem Blut der Mutter in den Fötus sprachen, er-wähnten Reitz (Centralbl. f. med. Wissensch. 1868), Perls (Allgemeine Pathol. ILp. 256) und für die Spirillen des Recurrenstyphus Hub er (Deutsche med.Wochenschr. 1881. Nr. 8). Krukenberg A. f. G. Bd. 31. p. 323, vgl. Lister überInfectionskrankheiten.

Dagegen hatten Fehling mit chinesischer Tusche und Ahlfeld mit dieser, mitKrapp und Fettimprägnation negative Resultate (Centralbl. f. Gynäkol. 1876. p. 45).

Diese Forschung hat ihre Bedeutung für die placentare Uebertragbarkeit•der Infectionskrankheiten und wird es in den nächsten Jahren an entsprechendenVersuchen nicht fehlen. Vorläufig waren für Milzbrand alle Nachforschungennach Bacillen im Fötus negativ. Brouell (Virch. Arch. Bd. XIV), DavaineRecueil d. med. veter. 1868), Bollinger (Deutsche Zeitschr. f. Thiermedicin Bd.