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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
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52 Chorion und Decidua.

suchung bekommen, bei denen die Allantois bereits die Eiperipherieerreicht batte.

Die Allantois gewinnt dadurch hervorragende Bedeutung für dieWeiterentwicklung des Eies, dass sie Blutgefässe vom Embryo an dieEiperipherie und in die Zotten des Chorion überträgt. Die Dotterblasespendet die Nahrung im frühesten Stadium des Aufbaues: relativ baldwird sie abgelöst durch die Allantois, welche eine weit ausgiebigereErnährungsquelle durch eine Verbindung mit der Mutter vorbereitet.Aus dieser Zeit der Entwicklung geben wir die obenstehende Ab-bildung.

In der schematischen Zeichnung der Fig. 36 ist die Entwick-lung so dargestellt, dass der Embryo in der Keimblase schwebt unddie Allantois aus seinem hinteren Körperende als freie Blase heraus-wächst. So ist es bei den Thieren der Fall.

Beim Menschen dagegen stellt His das Bestehen einer frei her-ausgewachsenen Allantois in Abrede. Der Embryo soll mit dem Schwanz-ende durch unvollkommene Abschnürung stets mit der Eiperipheriedem Chorion in Verbindung bleiben.

Anmerkung. Nach His ist also der Bauchstiel das niemals unterbrocheneUebergangsstück der embryonalen Anlage zum Choriontheil der ursprünglichenKeimblase.

Wenn auch 0. Hertwig sich nicht unbedingt der obigen Ansicht von Hisanschliesst, indem er den directen Zusammenhang der Embryonalanlage mit demChorion negirt, so ist doch insoweit Uebereinstimmung zwischen beiden Forschernvorhanden, dass beim Menschen eine frei aus der Körperhöhle herauswachsendeAllantois nicht vorkomme, also in der That doch ein Zusammenhang mit der Eiperi-plierie bestehen bleibt. Der Unterschied besteht nur darin, dass Hertwig zwarnicht den directen, sondern nur den indirecten Zusammenhang mit der Eiober-fläche durch Vermittlung des Amnion anerkennt.

Chorion (Zottenhaut) und Decidua (hinfällige Haut).

Gelegentlich wurde schon bemerkt, dass die Peripherie des Eies,die Eihaut oder das Chorion ringsum zahlreiche Zöttchen trage.Dieselben entwickeln sich sehr früh, sind ursprünglich solide Epithel-sprossen. Später bekommen sie von den Nabelgefässen aus eine reich-liche Versorgung mit Gefässen und Blut. Während der Piacentarbildunggehen die Zotten der Eiperipherie unter (von der 6. Woche an bis zur12.14. Woche), nur diejenigen in der Gegend der Decidua insertionisentwickeln sich üppiger als alle anderen. Der Theil des Chorion, dessenZotten wieder untergehen, heisst Chorion laeve (unächtes Chorion), derreich sich entwickelnde Theil dagegen Chorion frondosum (reich ver-zweigtes Chorion von frons, Zweig).

Die Decidua oder Caduca (sc. membrana), was so viel sagenwill wie hinfällige, vergängliche Haut, ist die während derSchwangerschaft stark wuchernde Gebärmutterschleimhaut.