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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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20
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20 Die Mortalität im Wochenbett.

Zur Verhütung von Pocken und Cholera bietet der Staat im all-gemeinen Interesse alles Mögliche auf; auch gegen den Typhus unter-nehmen Städte und Gemeinden so viel, als schutzbringend angerathenwird. Und den Verheerungen des Puerperalfiebers sollte man mitfatalistischer Resignation zusehen, während doch gerade die Erfah-rungen in den Entbindungsanstalten den deutlichsten Beweis liefern,dass man dagegen viel thun kann? Es können weder ökonomischeGründe dagegen sprechen, noch Einwände erhoben werden, dass dievorgeschlagene Prophylaxis den Aerzten resp. Hebammen unbequemfalle. Man muss nur wollen, dann geht es leicht, sich darauf einzu-richten.

Mag es auch Aerzte geben, die sich davon nicht überzeugt er-klären, dass die septische Infection die einzige Quelle des Puerperal-fiebers sei, mögen sich auch Einzelne das Hinterthürchen offen halten,dass doch noch unaufgeklärte Verhältnisse mitspielen, so darf manwegen dieser abweichenden Ansichten der eminent practischen Massregelder Desinfection keinen Abbruch thun. Die Prophylaxis schadet Nie-mandem und nützt sicher sehr Vielen.

Der energischste Vertheidiger einer regelmässig geübten Prophy-laxis muss zugestehen, dass in einer grossen Zahl von Geburten dievorausgehende Desinfection nicht nothwendig wäre. Dies beweisen dievielen Fälle, wo auch jetzt Wöchnerinnen ohne Desinfection gesunddurchkommen. Aber wenn die Methode nützen soll, muss sie immerangewendet werden, damit sie eben gerade in dem lOOsten Falle dastödtliche Ende verhüten kann.

Die obigen prophylactischen Vorschriften bilden auch den Haupt-satz der Vorschläge der Berliner Puerperalfiebercommission, und daranschliesst sich noch der Wunsch, dass das Puerperalfieber in sanitäts-polizeilicher Hinsicht anderen ansteckenden Krankheiten gleichgestelltund alle Medicinalpersonen zur Anzeige von schweren fieber-haften Puerperalerkrankungen durch Gesetz verpflichtetwerden. Es ist unzweifelhaft, dass diese Vorschrift genügt, die ge-wissenhafteste Beobachtung der Vorsichtsmassregeln zu erzielen unddadurch die Todesfälle an Puerperalfieber, aber auch viele gynäko-logische Erkrankungen, die von einem geheilten Puerperalfieber zurück-bleiben, in ungeahnter Weise einzuschränken.

Inhaltsübersicht.

Die Notwendigkeit strengster Desinfectionsmassregeln wird bewiesen

1) durch die Zusammenstellung der Verheerungen der Puerperalinfectionen,

2) durch die immer glänzenderen Erfolge der Desinfection in den Anstalten.