2 Prophylaxis des Puerperalfiebers.
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Jeder Arzt, der Geburtshülfe treibt, wird sich zu dem Bekenntnissherbeilassen, dass man oft erstaunt, wie viel die menschliche Natur antraumatischen Insulten ertragen kann, ohne dass es das Leben kostet.Es gibt Operationen, die so schwer sind, dass während der Ausführungwiederholt die peinliche Frage aufzusteigen beginnt: „wie soll das nochenden ?" Und wenn man mit der grössten körperlichen Ausdauer solcheAufgaben vollendet hat, so macht die Betreffende oft ein so normalesWochenbett durch, als ob nichts besonderes mit ihr geschehen wäre.Deswegen sei auch einer der ersten und unwandelbarsten Grundsätzedes Geburtshelfers: „Nichts angefangenes halbfertig lassen." Dass dabeilege artis zur rechten Zeit und mit Ruhe und Ueberlegung gearbeitetwerden soll, versteht sich von selbst. Aber dieser gute Verlaufist nur zu erwarten, wenn Hand und Instrumente, die mitder Kreissenden in Berührung kommen, ganz immun sindvon jedem Infectionskeime und eine Ansteckung aufs ge-wissenhafteste vermieden wird.
Die Krankheit, welche die zahlreichsten Opfer unter den' gebären-den Frauen fordert, ist das Kindbettfieber. Dass diese grosse Gefahrhauptsächlich durch strengste Reinlichkeit verhütet werden könne, istein Hauptgrundsatz der Geburtshülfe geworden. Bis dieser Grundsatzzum vollen Verständniss gelangte, ist mehr als ein Anlauf gegen dieherrschenden Anschauungen und Gewohnheiten nothwendig geworden.Die Entwicklung der Lehre von der Prophylaxis des Puerperalfiebershat eine ganz interessante Geschichte. Es bildet diese Lehre sosehr das Fundament für die gegenwärtigen Anschauungen in unsererund allen anderen Disciplinen der medicinischen Wissenschaften, dasses sich wohl verlohnt, dieser Geschichte etwas nachzugehen.