Druckschrift 
Hasenclever's Illustrationen zur Jobsiade
Entstehung
Seite
21
Einzelbild herunterladen
 

21dem gehts rasch, der ist schon jetzt beim Wein und den Pome-ranzen.Der Nachbar kneift ihm ein Auge zu. Dieser Nachbariſt Herr KriſchEin Mann von guten Sitten.Ungemein stark in Postillen beritten;Wobei er sich so gut und noch besser befandAls der beste Pfarrer in Schwabenland.Krisch hat außerordentliche Belesenheit, und weiß das Gele-sene gehörig durcheinander zu rütteln. Er ist immer zu einerRede fertig und spricht daher auch gern oder besser gesagt zuvielund immer in demselben Tone. So kommt es denn, daß manihn selbst dann schon hört, wenn er noch gar nicht zu sprechenangefangen hat.Neben Herrn Krisch sitzt Herr Schrei. Se. Ehrwürden sindstets guter Laune, aber heute ganz besonders. Ob der Braten-Geruch des Examinationsessens schon gewirkt hat? Wir vermögenes nicht zu entscheiden, soviel aber ist gewiß, daß Herr Schrei denBischof gut kennt, von dem Jobs spricht, und daß er dabei denkt,der Examinand ist ein Sapermenter. Er würde dieses auch aus-sprechen, wenn das Fluchen nicht unanständig und für einenPfarrer sogar ganz abscheulich wäre: dennHerr Schrei war stark in der Rede,Weder in Gesellschaften, noch auf der Kanzel blöde,Lebte übrigens munter und frischMit ſeiner Köchin exemplariſch.Schreis übriges Glaubensbekenntniß brauchen wir wohlnicht näher zu untersuchen. Es steht ihm auf jeder Muskelfaserund in jeder Rockfalte: II vaux mieux un buffet bien garni pen-dant cent ans de vie que mille autels apres ma mort. Ich habedaher bei ihm nur darauf hinzuweisen, daß ein Lebemann wenigGefährliches in ſich trägt.Hinter Herrn Schrei steht sein Pendant, d. h. ein Mann,der auch einen schwarzen Rock trägt, und auch gern lachen möchtebesonders dann, wenn es keinen andern Bischof gäbe, als vondem Jobs spricht. Da er aber all zu gut den andern Bischofkennt, von dem Jobs nicht spricht, und weiß, daß derselbe Con-duitenlisten führt, so gibt er sich trotz der Lachlust alle Mühe ernstzu sein. Wir können ihn wegen dieser Zweideutigkeit nur füreinen Lückenbüßer, d. h. nicht im Bilde, sondern in der Weltansehen, für eine charakterlose Unwürdigkeit, oder philosophischmodern, für fein.Herr Keffer ist ein guter Pastor,nie müde in Lehr undStrafe, ein geschickter Jurist:Denn er verstand die Jura in der That,So gut als der beste Advokat.