310 XLVI1I DAS TRAUGISMUNDSLIED
die minnigliche frau, die grüne malte mit dem kämpfenden riller, aufdem andern der graue wald und der greise wolf, der bleiche schild undder verratene hergesell; am rande, rechts und links, hier der lichthellelag (?) und der schneeweifse schwan (?), dort die finstre nacht und derschwarze rabe; obenüber die gaukelnde eisler, hell und dunkel zugleich;unten am rosenhage gelagert der pilgrim, wie er den rätseln des lebensnachsinnt, indem der fahrende mann auf alle die fragen bescheid weifs,welche dieses gesamlbild heraufführen, bewährt er, dass er das leben vonder lichtseite und der schallenhalde erkannt und empfunden habe.'
Unmittelbar auf das Traugemundslied folgte in der hs. ein lolter-spruch, den ich mit Haupt in zwei Strophen abteile, weil z. 14 eher eineLücke als dreifacher reim anzunehmen ist.
Lonf umbe, lolerholz 1
ez ist manic ritler stolz,
und ist oucli manic traege,
der gerne snel waere;s unde nackele Hute
friusct an der liiule,
daz ez nilit cntaete,
ob si guotiu cleider hasten.Läz aber dar gäu!10 schade wecket den man.
nu louf umbe gedräte,
daz got alle die bera\te
die uns ie guot getaten
die lebenden an den eren,die toten an der sele.
3 manig ritler 6 fruret an die 8 obe sii guote cleider an betten
14 etwa mit spise und mit gewäle oder mit Kleidern und mit braten,16 seien
es folgte bl. 18. 19 ein Judeneid (s. 629); bl. 19 Swer pärät welle lernen,der var in dise taverneu usw. bei Graff s. 31(3. nimmt man die demliede voraufgehenden (s. 486) und folgenden stücke damit zusammen, soerhält man ein büchlcin, das ehedem, ehe es in die hs. aufgenommenward, in den händen fahrender leute war. das ziemlich zerrüllele Lügen-märchen gehl gewis noch ins Xlll jh. zurück, der kettenreim hat nureinen reim ros statt rose: slöz, der nicht wohl ans XII jh. denken lässl,der lollerspruch aber isl gewis so alt und das rälsellied setzte Lach-mann zur klage s. 290 nebst dem Oswald, Orendel, Laurin, Moroll undRüther schon in den ausgang des XII jh. orientalische züge wies Wümannszs. 20, 254 nach, nur damals vor der vollen entfallung der höfischen, riller-lichenpoesie blühte diese halb wellliche und volksmäfsige, halb geistliche undgelehrte landfahrer- oder freie Spielmannsdichtung, deren rechter repraesen-lant der pilgernde meisler Trougemunl oder Tragenmnl (s. zu 3, 2) isl; unddass das lied, dessen ursprüngliche, erste geslall uns freilich entgeht undnicht erreichbar ist, auch damals nur entstanden sein kann und nicht