70 X CHRISTUS UND DIE SAMARITERIN
mäfsigkeü. man kann entweder die letzten fünf Strophen in ein syslemzusammenfassen oder, was wahrscheinlicher dünkt, annehmen, auch dieletzte dreiseitige Strophe habe noch nach den letzten zweizeiligen eineihr entsprechende gehabt, so dass das System vollständig dies war:2 X 2. 3. 2 X 2. 3. eine jener erstgenannten analoge form wendet NotkerBalbulus in der melodie Concordia (Schubiger die sängerschule SGallens,exempla nr. 26), und in der allelujamodulalion des canlus paschalis(der sogenannten anliphona triumphalis) ebend. nr. 40 an, und zwar inder modulalion des E, deren form aabccbdd ist. die Samarilerin gehörtmit den gesungen auf Ludwig III, auf Heinrich Ottos 1 bruder und denheiligen Georg zu den ungleichslrophigen gedichlen in slrenggemessenenlangseilen, an welche sich aus späterer zeit zunächst die sogenannteältere Judith anschliefst; nur dass hier bereits die rücksicht auf diemelodie zu einer Verlängerung der letzten zeile der zehnzeiligen Stropheund damit zu einer Verletzung der allen regel des deutschen verses ge-führt hat, die noch auffallender im Salomo und den drei Jünglingeneintritt, wo auch innerhalb der Strophen Zeilen von vier hebungen mitklingendem reim geduldet werden, ganz verschieden von diesen ge-dichlen sind die summa theologiae, das palernosler, 'von der siebenzahl'und die ihnen zunächst verwanlen späteren leiche: sie sind wie dielateinischen Sequenzen auf eine gegebene melodie gemacht, nach derengröfseren und kleineren abschnitten sich die grö'fse der Strophen unddie länge der reimzeilen richtet, vgl. den excurs zu XXXIV. jene andernungleichslrophigen gedichle dagegen sind nicht, wie Ferdinand Wolf(über die lais s. 118) behauptet, 'in formeller hinsieht den prosen (oderSequenzen) nachgebildet'. denn das characlerislische ihrer ältesten formbesieht in der anwendung zwei- und dreiteiliger Strophen, deren Ver-doppelung, Verdreifachung und combinalion dann vier- fünf- sechs- sieben-und neunteilige Strophen ergab, und in der symmetrischen anordnungderselben, die dreizeiligen Strophen aber können nicht aus den Sequenzenstammen, da bei diesen in ihrer ältesten geslall von gegliederten Strophengar nicht gesprochen werden kann, wenn auch innerhalb der Choräleoder langseilen, wie sie FWolf nennt, durch die pausen der melodiekleinere abschnitte entstehen, die versen vergleichbar und aus denenspäter wirkliche verse geworden sind. eher könnte jene dreizeiligeslrophe aus der kirchlichen hymnenpoesie entlehnt sein, in welcher eineähnliche zivar nicht häufig, aber in bekannten und vielgesungenen liedern,wie des Forlunalus Fange liiigua oder Crux fulelis (vgl. Daniel ihesaur.hymnol. 1, 14. 120. 159. 231, Mone lal. hymn. des ma. 1, 439), vor-kommt, allein die Verwendung ungleicher Strophen neben einander ist■im lateinischen hymnengesange ohne beispiel, muss daher als ein eigen-2 ( J§lümliches kunslprincip der deutschen dichlung anerkannt iverden, dasdie geistlichen nur aus dem volksgesang herübergenommen haben können,war die Ungleichheit der Strophen einmal gestaltet, so ergaben sich dieverschiedenen arten ihrer symmetrischen anordnung von selbst, wennaber zu ende des VIII jh. Petrus von Metz und Romanus zu SGallenin ihren iubilis ad sequentias die parweise strophengl'eichheil, wenn auch