X CHRISTUS UND DIE SAMARITERIN 69
und sein Ungeschick, sich treffend und sachgemäfs auszudrücken, icederfür den Höhepunkt und abschluss, noch für den anfang einer enhvickelunggellen kann, [dem gegenüber muss ich, bei verglcichung des Tatianc. 87 und etwa einer mhd. behandlung des Stoffes, wie sie im Alsfelderpassionsspiel 1307 ff. vorliegt, durchaus Erdmann zustimmen, welcherzs. f. d.phil. 11, 111 f. jede bekannlschaft Otfrids mit unserem gedickteläugnet. im evangelischen texl wechselt fons und puteus: dadurch kamenbeide dichter wie auch der Übersetzer des Tatian auf buzza, puzzi, pliuzi,und Otfrid wollte v. 8 h nur andeuten, dass das wort puleiis auch imdeutschen vorhanden sei.] der dichter der Samariterin schloss sich nahean den evangelischen grundtexl an. die zusätze, die er schon des reimeswegen nötig hatte, sind meist glücklich, nur einmal leer (z. 12 b ) undeinmal unpassend (z. 4 b ). sie zeugen im ganzen von einer gewissenlebhafligkeit und naiviläl der aneignung des Stoffes, so namentlich dergebrauch der formet uuizze Crisl *. 8 a und der Übergang der anrede vonguot man 7. 14 (WGrimm altd. gespr. nachtrag zu 68; IlarlmannsGregor 2895) zu lierro 21. 28, sobald die zweifei des weibes an dermacht Christi schwinden. dasselbe gilt von den auslassungen. derdichter folgt in der gestallung der wechselrede dem im strophischen ge-sange ohne zweifei uralten, volksmäfsigen brauche und übergeht die er-zählenden eingänge der reden; er meidet auch die Wiederholungen desgrundtextes z. 5. 10 (er. Joh. 4, 7. 10), z. 18—27, und geschickt ziehter in z. 8 die bemerkung des evangelisten non enini coutuntur JudaeiSamarilanis zu der rede des weibes, wenn ihm hier nicht etwa ein irr-tum, eine falsche ableilung des Originals, zu hilfe kam. trefflich istdies auch in z. 31 , und z. 2 die Zeitbestimmung wieder gegeben, woman die angeführte stelle Otfrids vergleiche. etwas tatsächliches istnur z. 6 übergangen, wo in civilalem unüberselzt blieb, vielleicht hieltder dichter Samaria für den namen der Stadt: wenigstens verleitet z. 3jeden nicht besser unterrichteten leser oder hörer zu dieser meinung.dass z. 16 filii durch man des reimes wegen ersetzt ward, ist kaum zutadeln; noch weniger die Umstellung in z. 12. 13; ein nachleil ist nur,dass, was der grundtexl als factisch und wirklich, z. 28 nur als mag- 297lieh hinstellt, wozu wieder das bedürfnis des reims führte, man vgl.auch den ersten teil des manigfach ähnlichen italienischen dialogs vonder Samariterin in Goethes fragm. über Italien (werke 38, 201 ff.).
Lachmann teilte in der uns vorliegenden aufzeichnung und überOtfrid s. 280 anm. 7 das gedieht in Strophen von je 2 langzeilen, in-dem er annahm, nach z. 11 fehle eine zeile und 2. 19 sei zweimal zulesen, dabei aber müssen die grofsen anfangsbuchslaben der hs. aufseracht bleiben, die durch den sinn nahe zusammengehörenden langzeilenaus einander gerissen und Übergänge der conslruclion aus einer Strophein die andre zugegeben werden, nimmt man z. 30, toie Wackernagelfrüher (1839) tat, worauf auch die durch den grundtexl nicht veranlasstetviederholung des schon z. 29 ausgesprochenen gedankens deutet, fürden anfang einer neuen Strophe, so erhält man eine Strophenordnung —4X2. 4X3. 2 X 2. 3. 2 X 2 langzeilen — von unverkennbarer regel-