arme Lazarus dem Maler als Problem perspektivischer Verkürzung die Hauptsachewar, alles andere Figurenwerk aber, wie der Zwerg neben dem Lazarus und dieLoggia des Hintergrundes mit dem reichen Mann und der Tischgesellschaft, alsNebenwerk behandelt und — es kann nicht anders ausgedrückt werden — ver-nachlässigt wurde. Von solchen absichtlichen Vernachlässigungen ist auch das hoch-interessante Casseler Gemälde nicht frei, es sind Partieen darin, die wie unfertigerscheinen. Doch, um auf Elsheimer's »Jagd nach dem Glück« in Basel zurük-zukommen, so müssen wir gestehen, dass gerade hierzu, nicht zu der Knüpfer'schen»Jagd nach dem Glück« in München, mehrere jener kleinen Elsheimer'schen Hand-zeichnungen passen, bei denen das Tertium comparationis in der Darstellung einerhorizontal sich fortschiebenden Menge von Personen und einem darüber hinaus-ragenden Reiter-Paar liegt. Das gilt besonders von Nr. 47 (5811) im FrankfurterSammelband. Dort findet sich ja auch eine aus der Menge heraus in die Luftemporgetragene Figur. Hierher gehören ferner zwei Blätter in der Albertina zuWien, die Inventar-Nummern 3350 und 9555, welche demnächst in einer besonderenPublikation erscheinen werden, es sind Processionen von Männern, Frauen undKindern, die eine, wie die genannte Frankfurter Zeichnung, mit einem Reiter-Paar.Aehnliche kleine Blättchen von Elsheimer sollen auch noch im Besitz des GrafenLanzkoransky sein.
Dagegen sind als Elsheimer-Zeichnungen unbedingt abzuweisen jene beidenZeichnungen der Wiener Albertina, die, bisher dafür geltend, als Beweis für dasMünchener Contento verwandt wurden, nämlich die Inventarnummern 3348 und 3349.Beide Zeichnungen sind, wie mir dies bei einer eingehenderen Betrachtung zurGewissheit geworden ist, todte geistlose Arbeiten voll grober Schnitzer und Fehler,wie sie kein Meister macht, beide von verschiedenen Händen, beide das MünchenerBild zur Voraussetzung habend. Nr. 3348 ist eine simple massige Copie, Nr. 3349dagegen eine in einigen Stücken vom Münchener Bilde abweichende Composition,im Uebrigen aber vollkommen hiervon abhängig. So befindet sich z. B. der dieArme nach der Glücksgöttin ausbreitende Mann auf der Wiener Zeichnung hinter,nicht vor der nackten Venusdienerin. Auch kommt hier der Zeus scheltend vomHimmel heruntergeflogen, unter ihm der Adler. Merkur und Fortuna sind schlechtverstanden, die Thiere sind Stümpereien, die Mittel- und Hintergründe des Münchener
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