I DAS WESSOBRÜNNER GEBET t>
der dichter, der sachlich die Strophe so ausgezeichnet gliederte und niliiihta im sinne halle, anders gedichtet hat. der hochdeutsche aufzeichnerwollte abermals v. 4 durch die Umstellung, wie v. 2 durch den zusalz,einen langvers herstellen, ni lmlila aber an die richtige stelle gesetztergibt in 3 und 4 die regelrechte zweite hälfle eines lioäahdlls. 4 niareo-seo als compositum gleich dem gol. marisaivs zu nehmen geht nicht an,weil dies ahd. mindestens niariseo oder meriseo heifsen würde, auchWackernagel im alld. leseb. 1859 nimmt märeo richtig als adjecliv. seinfrüherer einwand (das Wessobrunner gebet s. 55), dass im ahd. nur märo,märro als schwache form von märi statthaft sei, ist schon fürs ahd. nichtganz stichhaltig (Ilaupt in den Wiener jahrb. 67 (1834), 195/"., llolz-mann Isid. s. 141 f., Grimm gramm. 1 (1870), 64S, Henning Sand-gallische sprachdenkm. s. 94), fällt aber ganz hin, wenn das fragmentallsächsisches Ursprungs ist, da sie alls. släls märio märeo lautet, dermäreo seu — seu ist hier und im Hildebrandsl. nur, um die einsilbigeausspräche zu erleichtern, geschrieben — ist 'das grofse, herliche meer',wie alls. ihea märiün eriha, tliat märio lioht Hei. 39, 5. 105, 24 und anzahlreichen anderen stellen auch ahd. das adjectiv diese erweiterte be-deulung zeigt, und daher zu vergleichen mit thie gröto seu Hei. 131, 22,sc bn'tda, so sida sae Crist 1145, lieöv. 507. 2394, aldinn marr Havam. 62.im innern südlichen Deutschland, wo die unmittelbare anschauung desineeres fehlt, würde es nicht mit sonne, mond und Sternen zusammen ge-nannt und dem mond mit ehrendem behvorl gegenüber gestellt sein, inmlid. gedickten führen meer und see nur den beinamen wilde d. i. wüst,öde, unbewohnt; im alls. abecedarium nordmannicum aber V, 10 findenwir die formet lagu Uie leohto, die von derselben unmittelbaren anschauungausgeht, wie die verszeile hier, so gibt diese zu allem übrigen nocheinen entscheidenden beweis für die herkunfl der Strophe aus Norddeutsch- 255land. das gedieht, dem sie angehörte, ivar zu seiner zeit in Deutsch-land wohl ebenso berühmt und angesehen wie die Völuspa im norden,und es erklärt sich daraus seine Verbreitung bis nach Baiern.
Das zweite stück z. 5—8 besieht aus vier langversen, von denennur die zweite hälfle von 7 durch das überflüssige dar iniarun eine un-gebürliche Verlängerung erfahren hat, wie schon die Grimm 1812 er-kannlen. es ist christliche poesie und leitet eine Schilderung der well-schöpf ung ein, der nach der schon in der ags. genesis und später inallen mittelalterlichen darstellungen beobachteten Ordnung v. 7 f. der stürzder engel voraufgieng. in meiner abhandlung habe ich noch die ansiehtfestgehalten, dass der christliche dichter dieses Stückes den anfang desberühmten heidnischen liedes von ähnlichem inhalt benutzt habe, umdaran eine forlselzung zu knüpfen, wie ja auch die bekehrer heidnischeheüigtümer und feste dem christlichen cullus anpasslen; aber auffallendbleibt dabei der Wechsel des melrutns. da erst der hochdeutsche auf-zeichner die Strophe im lioäahdlt durch Zusätze und Veränderungen aufdas mafs von vier langzeilen zu bringen suchte, derselbe auch im zweitenleil v. 7 durch einen zusalz sich bemerkbar macht und noch den anfangdes zweiten Stücks durch den rubricierlen grofsen buchslaben anzeigt,