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VI. Die Fragmente der römischen Reichskarte bei Ammianus Marcellinus.
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Karte des römischen Reichs entnommen, in welcher die Einteilung in Diöcesen und Pro-vinzen eingetragen war, undwelcheyo n j ederProvinz ein p aar der wichtigsten S t ä d t eenthielt. Diese Karte kann nicht viel über Anmiians Zeitalter hinaufreichen, wenigstens in ihrer end-gültigen Redaktion. Schon die Diöceseneinteilung selbst, wie das Vorhandensein der diocletianischen Pro-vinzen weist uns in das 4. Jahrhundert, die Namen der gallischeu Städte aber wohl in die 2. Hälftedesselben. Wir haben bereits in den wichtigsten, auf uns gekommenen alten Weltkarten, welche in ver-schiedenen Ländern und Jahrhunderten gezeichnet worden sind, auffällige übereinstimmende Spuren einerKarte des römischen Reichs von der geschilderten Anlage, d. h. mit Diöcesen- und Provinzeinteilung nach-weisen können; dieselben zeigen auch, dass auf dieser Karte die Provinzgrenzen durch gerade Linieneingetragen waren. Diese Karten sind die Karte von St. Sever, deren Uebereinstimmung mit Amniianhöchst auffällig ist. Dieselbe zeigt uns auch, dass die fragliche Reichskarte in der That die neuerenNamen der gallischen civitates enthielt. Wir haben in Gallien dasselbe Kartenbild, dieselben Plüsse (vgl.besonders die Erstreckung des Rhodanus und Araris), dieselben Städtenamen; ferner die Diöcesen Italiaund Illyricum; die Provinzen des Orients mit denselben Hauptstädten (z. B. auf Cyprus); dasselbe Bildvon Egypten (beide Nilinseln, das Rote Meer südlich). Am konsequentesten durchgeführt sind die Grenz-linien der Provinzen auf der 2. Beatuskarte (Paris, Cod. 1366) s. Mm I, 31 (Bild), 33/34. So schreck-lich auch diese Karte durch den Abschreiber entstellt ist, so lässt sich doch noch die gute Vorlage wohlerkennen, wie wir am angeführten Orte (S. 33) gezeigt haben. Spuren derselben Reichskartefinden wir ausserdem auf der Hieronymuskarte, welche annähernd derselben Zeit angehört, und aufwelcher Kleinasien auch die Provinzeinteilung mit den Hauptstädten zeigt. Hier treffen wir auch Lycaoniaals Provinz, deren Errichtung man kurz vor 373 ansetzt; es wäre dies wohl das jüngste Datum, wennman hierin nicht ein Einschiebsel des Hieronymus sehen will, da Lycaonien bei Eestus und denandern fehlt. Ferner zeigt die Cottoniana, obgleich entstellt und verkleinert, deutlich Spuren der Provinz-einteilung, und die Lage von Mesica im Donauwinkel oberhalb von Thracien, besonders aber Isauria weisenauf dieselbe Zeit hin. Auch die Here fordkarte weist, besonders in Afrika, vereinzelte ähnliche Spurenauf.. Deutlich aber sind dieselben in der Castoriuskarte, wo die Diöcesen Italia, Macedonia, Thraciaerkennbar sind. Hier fällt neben manchem andern besonders die schon genannte Notiz bei Lugdunumauf, wo Ammian sagt: „exordium Galliarum, exindetpie non millenis passibus, sed leugis itinera metiuntur",während in der Tab. Castorf steht: „caput Galliarum, usque hie legas". Dass der Verfasser einer Itinerar-karte sich nicht im Stande sah, die Provinzeinteilung ganz durchzuführen, ist einleuchtend; die Haupt-städte zeigen vielfach Uebereinstimmung; doch musste er z. B. in Gallien sich an seine nicht selten älterenQuellen halten. Wir haben auf dieselbe Reichskarte bei Orosius und Isidor hingewiesen; in der Expositiototius mundi ist sie ebenfalls erkennbar. Bei Julius Honorius sind sowohl die Städtelisten als die Liste dergentes von überraschender Aehnlichkeit. Wir können noch verweisen auf die Karte Italiens von Guido,wo die Provinzen durch Doppellinien abgetrennt sind, sowie auf die Albikarte.
Miller, Mapitaemundi VI.
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