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Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
Entstehung
Seite
71
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71Jahren zu Stande gekommen sei, wenn dieselbe wirklich erst umdiese Zeit erfolgte.Daß auf dem alten Postamente keine Inschrift sich befunden,wird nach den obigen Auseinandersetzungen wohl keinem Zweifelmehr unterworfen sein. Mit der alten Inschrift fällt aber auchjeder Anhalt für die Behauptung, daß diegrata civitas demFürsten das Denkmal gesetzt habe und es bleibt lediglich dieTradition, gewiß ein höchst unzuverlässiger historischer Beweis.Ebensowenig kann ich meine Ansicht, daß Johann Wilhelm sichdas Denkmal selbst gesetzt habe, actenmäßig beweisen; deshalbstellte ich sie auch als eine subjective Ansicht auf, keines-wegs als ein unangreifbares Factum. Es bleibt mir also nurnoch übrig, die Gründe zu entwickeln, welche mich zu dieserAnsicht geführt haben.Zunächst lagen mir alte Angaben vor, wonach die Stadt,wenige Jahre vorher, zur Aufbringung ihrer Beiträge zumFestungsbau, Capitalien von 300 und von 800 Rthlr. gegen hoheZinsen aufnehmen mußte. Die Finanzlage der Stadt konntealso keine so günstige sein, daß sie Tausende für ein Standbilddes Fürsten zu verwenden im Stande gewesen wäre. Freilichschließt dies nicht aus, daß die Hofleute, durch die Brosamen dievon des Herrn Tische fielen reich geworden, die durch die Munificenzdes Fürsten finanziell sehr gut gestellten Künstler, die Beamten, dieHoflieferanten, und diejenigen, welche dem Fürsten in seinen häufigenGeldverlegenheiten gegen hohe Zinsen unter die Arme gegriffenhatten, besonders aber der bei Johann Wilhelm in hohem An-sehen stehende und bei jeder Gelegenheit bevorzugte reiche Clerus,etwa durch freiwillige Beiträge die Mittel aufgebracht habenkönnen. Nicht minder mag die Kurfürstin, welche nachweislichwährend der Ciselirung der Statue das Atelier Grupello's häufigbesuchte und die Arbeiter durch Geldgeschenke ermunterte, dasIhrige zu dieser Glorification ihres Gemahls beigesteuert haben.Aber diese Stände repräsentiren meines Erachtens nicht diegrata civitas. Daß aber die Bürgerschaft, bei der großenFinanz=Calamität, in welcher sich das ganze Land befand in Folgeder anhaltenden Kriege und des stets zunehmenden Steuerdruckes,den Geldbeutel für ein Kunstwerk von so großen Dimensionen undKosten aufgethan habe, dürfte mit Recht anzuzweifeln sein.