65Allerdings hat die Tradition Wurzel gefaßt, und sich, mitvielen phantastischen Nebenumständen, bis heute im Volksbewußtseinder Düsseldorfer erhalten. Das Wahre und Unwahre einerTradition ist jedoch schwer festzustellen, selbst nach der relativkurzen Zeit von anderthalb Jahrhunderten, wenn alle authen-tischen Urkunden fehlen. Noch größere Schwierigkeiten hat es,auf die Quelle der Tradition zurückzugehen, um so mehr in demvorliegenden Falle, wo dieselbe mit dem Volksgefühl gleichsamverwachsen ist. Könnte aber nicht die Mythe von dem Lehrling,der durch rechtzeitige Zubringung von Metall den Guß alleingelingen machte, oder die Sage, daß die Bürger auf den HülfernMeister Grupello's, das bei fließendem Gusse als ungenügend be-fundene Metall durch Herbeibringung von silbernen und kupfernenGefäßen, Küchengeräthe 2c. vervollständigt hätten, — die ersteVeranlassung zu der Tradition gegeben haben, die Bürgerschafthabe dem Fürſten das Standbild geſetzt? — Einmal angeregt,mußte dieses Ursprungszeugniß, welches sowohl dem Fürsten alsder Bürgerschaft schmeichelhaft und ehrenvoll war, sich befestigenund fortpflanzen, um so mehr, wenn es gelegentlich ausgebeutetwurde zur Bestätigung der Tugenden des Landesherrn und derLiebe des dankbaren Volkes.Nur eine einzige Spur habe ich gefunden, welche auf diesenUrsprung des Standbildes hinführt, und zwar im 36. Bande derActa Sanctorum, welcher das Martyrologium Usuardi enthält.In einer Art von Dedicationsschreiben, welches der Verfasser,P. Joh. Bapt. Sollerus, Societ. Jes. an den Kurfürsten JohannWilhelm richtet, worin demselben die größten Schmeicheleien unddie übertriebensten Lobreden gesagt werden, wird auch das Ver-dienst des Fürsten um die Stadt Düsseldorf hervorgehoben. DieStadt — sagt P. Sollerus — habe sich unter seiner Regierungso vortheilhaft verändert, daß „die Düsseldorfer schon Düsseldorfnicht wiederkennen.“ (jam Dusseldorpium Dusseldorpii nonagnoscant). Dann heißt es weiter: „excurrunt denique inmeritissimas laudes, quibus exultantes subditi, aëneamequestram statuam tamquam Patri patriae in medio forocollocatam voluerunt“. Nach meiner Auffassung könntedies allenfalls auf die Absicht hindeuten, daß die „vor Freudejauchzenden Unterthanen“ dem „Vater des Vaterlandes“ ein
Druckschrift
Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
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