61entgegenhielt, ich hätte „sogar die Schwachheit gehabt, einen Blain-ville zu citiren“. Hat denn der Herr Kritiker seine friedens-richterliche Praxis so ganz vergessen, daß er übersieht, wie einrechtskräftiges Zeugniß gewogen werden muß nach dem gutenRuf und der Unbescholtenheit oder Bescholtenheit des Zeugen?Hat er vergessen, daß er selbst in seiner kritischen Excursion Nr. II.anfragend aussprach: „Wer unter uns verwirft nicht solchen Ge-währsmann?“ Die Anales Brosii, „des bewährtesten Chronistenund Spezialhistorikers“, haben dem Kritiker „leider zu kurz undzu wenig“ berichtet, was leicht zu erklären ist, da der Annalistnatürlich von der angeblichen Stiftung nichts gewußt hat. DieAngaben beschränken sich vielmehr darauf, daß an einer Stellegesagt wird, Johann Wilhelm habe „Alles, was die Pfalz, Jülichund Berg an Schmuck (ornamenti) besäßen, entweder begonnen,verbessert oder vervollständigt, da sein erhabener Geist durch keineHöhe der Kosten abgeschreckt wurde (dejiciebatur.)“ — Von derBildergalerie aber heißt es, der Fürst habe eine ausgewähltePinakothek, bestehend aus Gemälden von Rubens, Breughel 2c.und anderer berühmter Maler, welche mit „großen Kosten“ (aëremagno) in Italien, Belgien, Deutschland und Holland aufgebrachtworden (conquisitis), errichtet (instruxit) in großer Anzahl und zumErgötzen der Düsseldorf besuchenden Fremden („et peregrinantiumvoluptate Dusseldorpii“!) — Von einem Landesinstitut stehtdarin kein Wort. Bei Gelegenheit eines Besuches des KurfürstenJoseph Clemens von Köln in Düsseldorf 1717, erwähnt der Annalistnoch einmal der Galerie und nennt sie: „pinacothecam ab Eleotoredefuncto maximis impendiis conquisitam“.Indem ich nun meine Ansichten über das Entstehen der Bilder-galerie vollkommen aufrecht halte, muß ich den entschiedenstenProtest einlegen gegen die mir von dem Kritiker aufgebürdetenBeschuldigungen und Verdächtigungen. Ich maße mir durchausnicht an, in dem bevorstehenden Processe über das Rechtseigenthumder Galerie irgend Etwas zu einer für uns günstigen Entscheidungbeitragen zu können, und muß es der Zukunft überlassen, ob desKritikers „drei Studien“ mit ihrer „historisch= aesthetisch=staats-rechtlich=diplomatisch=kritischen Beleuchtung“, uns den Weg bahnenwerden, zur glücklichen Rückkehr des geraubten Schatzes an seinealte Stelle.
Druckschrift
Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten