50Diese Reise glich einem Triumphzuge und bot nicht mindereine ununterbrochene Reihe von Festlichkeiten, da die Landesherrnder weltlichen und geistlichen Gebiete, durch welche der Weg führte,sich beeiferten, in dem Herzoge zugleich den Schwiegervater desKaisers zu feiern. In den Grafschaften Oettingen und Hohen-lohe, im Gebiete des deutschen Ordens zu Mergentheim, desBischofs von Würzburg und Bamberg, des Kurfürsten von Mainzund Trier, überall war festlicher Empfang und Begrüßung. Selbstdie kleinen schwäbischen und fränkischen Reichs= und Landstädteließen es nicht an Kanonendonner und Glockengeläute fehlen, undihre regierenden Bürgermeister mit dem Raths= und Schöffen-Collegium bezeigten den Durchreisenden ihre Ehrfurcht. VonMiltenberg am Main wurde die Reise auf dem Main zu Schiffefortgesetzt, in Mainz einige Tage gerastet und dann auf demRheine sich eingeschifft. Bingen, Bacharach, Caub, St. Goar, woder Landgraf von Hessen=Rheinfels die Reisenden auf sein Felsen-schloß zum festlichen Mahle führte, Boppard, Braubach, Oberlahn-stein prangten im Festesschmuck, von Ehrenbreitstein begrüßteKanonendonner die Ankommenden, und der Kurfürst von Trier,Johann Hugo von Orsbeck, wartete mit seinem ganzen Hofstaateam Landungsplatze, um den Herzog und seine Familie als Gästein Empfang zu nehmen. Bei der Weiterreise am folgenden Tagekredenzte der Magistrat von Andernach den Reisenden den Ehren-wein auf dem Schiffe; in Sinzig, damals zum HerzogthumJülich gehörend, schlossen sich die Schützen in Kähnen dem Zugean bis Bonn; die freie Reichsstadt Köln verfehlte auch nicht, denNachbarfürsten auf dem Schiffe durch die beiden Bürgermeisterbegrüßen zu lassen. In Mühlheim aber, der ersten bergischenStadt, wo übernachtet wurde, hatte sich eine große Menge desbergischen Adels eingefunden, um die Heimkehrenden zu bewill-kommnen. Den 7. März 1677 endlich gingen die Reisenden wiederzu Schiffe, trotz des widrigen Windes und der hohen Wellen,welche der Rhein schlug, und langten erst am späten Abend inDüsseldorf an, wo die Räthe und die Bürgerschaft sechs Stundenlang am Hafen der Ankunft entgegen geharrt hatten. VomBergerthor*) bis zum Ratingerthor standen die bewaffneten Bürger-*) Der damalige Hafen ist jetzt Hof des Gefangenhauses; das Bergerthorlag da, wo jetzt die Hafen= und Akademiestraße zusammenstoßen.
Druckschrift
Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
Entstehung
Seite
50
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten