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Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
Entstehung
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39ringsten, scheinbar unwesentlichsten Details. Die religiöse Er-ziehung nahm darin die erste Stelle ein: „der Zögling soll vonallen Erörterungen und Streitfragen fern gehalten werden,welche den orthodoxen Glauben erschüttern könnten; alle Schrift-steller, Bücher, Bilder, die nicht mit dem katholischen Glaubenim Einklang stehen, sollen aus seiner Atmosphäre entfernt, undjedes einzelne Dogma ihm genau nach der Römischen Fassungeingeprägt werden 2c.“ Ueber die wirkliche Ausführung dieserInstruction erfahren wir zwar nichts Näheres, aber soviel stehtfest, daß bei der mehr passiven und lenksamen Individualitätdes jungen Prinzen, seine Lehrer und Erzieher einen leicht zubildenden Stoff vorfanden, und es durchaus nicht in ihrem In-teresse lag, ihren Zögling in der Entwickelung eines selbstständi-gen, festen Charakters zu unterstützen. Die Geschichte der da-maligen Zeit zeichnet es uns in treuen Bildern vor, wie deran den meisten katholischen Höfen zu jener Zeit mächtige Je-suitenorden nur dahinstrebte, alle Fäden zur Leitung der Politikder Staaten in seiner Hand zu halten, um auf diesem Wegesein eigentliches Ziel, die Unterdrückung des Protestantismusund die Alleinherrschaft des Katholicismus, sicher zu erreichen.Schon zur Zeit Wolfgang Wilhelms, des Großvaters desPrinzen, eines Fürsten, der seinen Zeitgenossen an Geschmackund Bildung weit vorausgeschritten war, hatte sich am Hofe zuDüsseldorf eine gewisse Vorliebe für glänzende Außerlichkeit be-merkbar gemacht. Philipp Wilhelm, ein zärtlicher Gatte undüberaus glücklicher Familienvater, hatte sich bemüht, durchäußeren Glanz und comfort seine Häuslichkeit zu schmücken,indem er dieselbe vielfach mit kostbaren Seltenheiten und Er-zeugnissen der bildenden Kunst reichlich ausstattete. HäufigeFamilienfeste, veranlaßt durch die fast alljährlich wiederkehrendenKindtaufen,*) welche vornehme Gäste nach Düsseldorf führten,boten ihm Veranlassung zur Entwickelung größerer Pracht inFesten und Lustbarkeiten, während seine religiöse und fromme*) Die Ehe Philipp Wilhelms und der Herzogin Elisabeth Amalie warmit 17 Kindern (9 Söhnen und 8 Töchtern) gesegnet, von welchen LetzterenEine die deutsche Kaiserkrone trug, Eine Königin von Portugal, eine ZweiteKönigin von Spanien und eine Dritte Kronprinzession von Polen wurde.