27Pfälzischen Kurhutes war es eine der ersten Regierungshand-lungen des neuen Kurfürsten, daß er noch von Wien aus, vomSterbelager des Vaters, das Edikt vom 2. September 1690 andie Pfälzer richtete, worin er den Protestanten freie Religions-Uebung gestattete. Im October 1697 wurden in Jülich undBerg die Religions=Recesse von Wesel und Rheinberg auf'sNeue publicirt. Es ist demnach der Beweis geführt, daß dieöffentlichen Regierungshandlungen Johann Wilhelms den Rech-ten der Protestanten in keiner Weise Abbruch gethan haben inJülich und Berg, und mit Recht darf daher der confessionelleZustand dieser Länder zu jener Zeit als in hohem Grade aner-kennenswerth bezeichnet werden.Daß einmal eine Störung eintrat, als auf Veranlassungder geistlichen Behörden die zahlreich im Jülich'schen, in der Eifel,angesiedelten industriellen Menoniten von Haus und Hof ver-trieben, deren Güter zum Verkauf gestellt und die gefänglichEingezogenen nur gegen hohes Lösegeld freigelassen wurden, warfür das Ganze von geringerer Bedeutung. Dieselben warenangeschuldigt, die alte Wiedertäufer=Sekte wieder ins Lebenrufen zu wollen. Die Beschädigten klagten, und England undHolland legten sich in's Mittel. Unter dem 24. April 1697mußte Johann Wilhelm die erlassenen Strafurtheile zurückneh-men, die confiscirten Güter restituiren und 20,000 Rthlr. zurEntschädigung für die schon verkauften Güter auswerfen.Ein anderes Bild von der Toleranz Johann Wilhelms er-halten wir aus seinen Briefen und aus der Betrachtung seinerpolitischen Stellung als Reichsfürst zu den confessionellen FragenAls 1692 Kaiser Leopold I. für das Haus Braunschweig-Lüneburg eine neue Kurwürde errichten wollte, zur Belohnungder Unterstützung, welche dasselbe ihm in den Türkenkriegen undgegen Frankreich geleistet hatte und auch ferner zu leisten ver-sprach, stieß er in dem Reichsfürsten=Collegium auf heftigenWiderspruch. Brandenburg und Sachsen waren ganz dafür,indem so eine neue protestantische Stimme in das Collegiumder Kurfürsten eingeführt wurde. Selbst der katholische Kur-fürst von Bayern und sogar der geistliche Kurfürst von Mainzwaren damit einverstanden. Desto eifriger arbeiteten JohannWilhelm, als Kurfürst von der Pfalz und die beiden geistlichen
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Zur Charakteristik Johann Wilhelms, Herzogs zu Jülich-Berg [etc.], Kurfürsten von der Pfalz und seiner Regierung : ein Anhang zum Anhange der Schrift: Zur Reclamation des Düsseldorfer Bilder-Galerie-Hauptschatzes ... von A. V. Hardung ...
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