Druckschrift 
3 (1830) Projectirtes Rath- und Ständehaus und Landstandsgebäude
Entstehung
Seite
6
Einzelbild herunterladen
 

ZWEITES PROJECT

und erster Entwarf auf den von den hohen Ständen gewählten Bauplatz.Hiezu die Risse Tab. VII. VIII. und IX. mit den Durchschnitten A und B auf Tab. XII.

Die im Spätjahr 1819 geschehene Vertagung der hohen Stände brachte eine Art Hemmung in dieweitere öffentliche Verhandlung dieses Bauprojects, indessen fertigten in der Zwischenzeit bis im Frühling1820, wo sie wieder zusammen traten, einige andere Baumeister Pläne für verschiedene Bauplätze zu einemStändehaus, worauf jedoch die Rammer nachher nicht einging, vielmehr beschloss sie in ihrer Sitzungam 20. August, alle zuvor gefertigten Projecte zu cassiren, und mir durch eine besondere Commis-sion den Auftrag zur Fertigung eines neuen Bauplanes, auf dem zunächst der neuen katholischen Kirchegelegenen Postverwalter Rreglinger'schen Garten zu ertheilen.

Herr Staatsrath Winter, als Deputirter an der Spitze dieser verehrlichen Commission, überbrachtemir die Resolution, mit der schriftlichen Angabe des erforderlichen inneren Gelasses für beide hoheRammern, nebst der weiteren Erklärung, dass die hohen Stände für die Ausführung des ganzen Gebäu-des nicht mehr als 80,000 fl. und zwar nur 60,000 fl. für die Errichtung des Baues selbst, dieweiteren 20,000 fl. für die Acquisition des Platzes, und die innere AusstafFirung des Gebäudes aus-zusetzen bestimmt hätten.

Auf diese ehrenvolle Aufforderung erwiederte ich, dass es mir sehr schmeichle, von Einer hohenStändeversammlung zu dem Entwurf eines Bauplanes aufgefordert zu werden, und ich mit Vergnügen michdem Auftrage unterziehen würde, wenn nicht zu befürchten wäre, dass schon andere Baumeister Plänezu diesem Bau gefertiget und vorgelegt hätten, welchen ich nicht zu nahe treten möchte. Um nunnicht mit diesen Baumeistern zu concurriren, sollte man mir lieber ihre Pläne zur Einsicht geben, ichwollte dann den hohen Ständen mein unbefangenes Urtheil darüber vorlegen, und im Fall es erforderlichund möglich wäre, dieselben auch berichtigen.

Herr Staatsrath Winter und dessen Collegen versicherten mich aber, dass die hohe Rammer von allenvorhergehenden Plänen abgestanden sey, und nur von mir nach dem so eben mitgetheilten Erfordernisseinen adäquaten Bauplan ausgearbeitet zu erhalten wünsche, und dass man zugleich weit entfernt sey, dieArbeit Anderer mit den meinigen in Concurrenz zu setzen.

Nach dieser mir gegebenen Versicherung, dass eine hohe Ständeversammlung einstimmig ein voll-kommenes Zutrauen in meine Arbeiten setze, übernahm icli nun mit Vergnügen, und wahrem patrio-tischen Eifer die Entwerfung der Baupläne des zum Besten des Landes aufzuführenden Gebäudes, so wieeines apröximativen Ueberschlags, und zwar in einer mir bestimmten, sehr kurzen Zeitfrist, weil dieStände ihre erste Zusammenkunft demnächst zu beenden hatten, und die Resolution wegen Ausführungdes Baues noch vorher geschehen sollte, damit der Bau sogleich angefangen, und bei der nächstfolgendenZusammenkunft, die Sitzungen in dem dazu eigen errichteten Locale gehalten werden könnten. Mitder für den Entwurf des Gebäudes beauftragten Commission über die Berichtigung und Anordnung meiner