ERSTES PROJECT. Tab. I — VI.
Im Jahr 1819, nachdem Seine Königliche Hoheit, unser allverehrter Grossherzog, gemäss der im Jahrzuvor aufgestellten neuen Landesconstitution, die Landstände der ersten und zweiten Rammer, in derResidenz zusammenberufen, und denselben einstweilen zu ihren Sitzungen ein provisorisches Locale in demhiesigen Grossherzoglichen Residenzschlosse angewiesen hatte, geruhten Allerhöchstdieselben mir gnädigst auf-zutragen, durch den Entwurf eines Bauplanes zu versuchen, ob nicht auf dem hiesigen Marktplatze, derKathedralkirche gegenüber (als der einzig schönen im Centrum der Stadt gelegenen Baustelle, die für dasRathhaus bestimmt war) nicht auch ein Ständegebäude zugleich mit dem neuen Rathhause, unbeschadetder Erfordernisse des einen oder anderen Gebäudes nach Vorschrift des Stadtbauplans, als ein, mit dergegenüberstehenden Hauptkirche, symetrisches Ganze aufgeführt werden könnte?
Um alle Erfordernisse zu diesen beiden Gebäuden zu erheben, wiesen Seine Königliche Hoheit michan den Staatsrath Freiherrn von Sensburg, welcher die Güte hatte, mich über das ganze Bedürfniss derbeiden zu vereinigenden Gebäude in Kenntnisszu setzen, so dass ich nun im Stande war, durch die Ferti-gung eines solchen Bauplans der Allerhöchsten Intention Genüge zu leisten.
Wie ich nun in den anliegenden 6 Blättern Zeichnungen von Grund- Auf- und Durchschnittrissen,das ganze Bedürfniss der beiden Gebäude, nach den mir gegebenen Datis, hinsichtlich der Grösse, Anzahlder Geschäfts- und anderer Zimmer, in Verbindung mit der Metzig, dem Kauf- Feuerspritzenhaus,Gefängnissthurm etc. anzuordnen suchte, fand mein Entwurf zwar den ungetheiltesten Beifall, allein alser den hohen Ständen vorgelegt wurde, hatten diese an einer solchen Vereinigung manches auszusetzen,und sie wünschten überhaupt ein abgesondertes Gebäude, ohne alle Gemeinschaft mit dem Rathhause jund was noch dazu gehören sollte, zu besitzen. Besonders aber fanden sie den Gefängnissthurm in derNähe des Ständehauses eben so wie die übrigen Umgebungen von Rauf- und Spritzenhaus, Metzig etc.ganz unpassend. Seine Königliche Hoheit waren desshalb auch nicht abgeneigt, den Landständen dieWahl einer anderen Baustelle zu genehmigen, und es blieb somit dieses Terrain, für den Rathhausbauallein vorbehalten, zu welchem Gebäude im vorigen Jahre auch der Grundstein gelegt wurde, und schonim November dieses Jahres ist es unter Dach gebracht und steht nun vollkommen bis zu seiner innernVollendung da. *)
) Die Baupläne dieses Rathhausgebäudes werde ich demnächst auch in einem besonder« Hefte erscheinen lassen.