284⁵⁵dem Umgange mit einer ungezogenen und schon ver-derbten Jugend, ja wohl gar mit rohen und zügel-losen Buben, Preis geben. O saget, meine Freunde,was fehlt dann noch, um unsern Kindern den kind-lichen Sinn völlig zu entreissen und sie in ihrer Ju-gend schon alt zu machen, was fehlt dann sonst noch,als daß wir sie nun zu guter Letzt noch Bücher zurHand nehmen lassen, aus denen sie sich ihre Ver-muthungen erklären, aus denen sie für ihre Triebeund Begierden Nahrung schöpfen, aus denen sie dieFarben entlehnen, den Wildwachs der ihnen vor-schwebenden Bilder auszumalen! Ich meyne nichtdie treflichen Jugendschriften, woran unser Zeitalterso reich ist und woraus so viel Gewinn an Kennt-nissen, Einsichten und guten Gesinnungen schon her-vorgieng; sondern die allbekannten unlautern Mode-schriften, die der Sinnlichkeit schmeicheln, den Ge-ſchmack verderben, Thorheiten und Laſter beſchöni-gen, Ueppigkeit und Leichtsinn befördern, jene all-bekannten Modeſchriften meyne ich, die heut zu Ta-ge Kinder und Erwachsene blindlings, ohne Ueber-legung, ohne Kenntniß, ohne sorgfältige Nachfrage,wie eine moralische Pest sich freywillig ins Hausholen! — Brauchen wir bey einem solchen Beneh-men wohl zu fragen, woran es liege, daß unsreKinder heut zu Tage zu früh reif werden?
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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284
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