278#auch dies ist uns bekannt: und so kann es auch nichtanders seyn, als daß auch diese widernatürliche Früh-reife ihre schlimmen Folgen habe. Der Mensch ver-liehrt dadurch von seinem wahren Werthe, es entgehtihm dadurch etwas von dem, was seine Vollkommen-heit, Würde und Brauchbarkeit ausmacht. Lassetmich auch dieses noch bildlich sagen. Der Gärtnersieht nicht gern, daß ein junger Baum, den er inseiner Baumschule gepflanzt hat, zu frühe anfängt,Blüthen zu treiben und Früchte zu tragen. DerBaum, der dieses thut, erschöpft sich zu bald. Erhat noch nicht so viel Kraft in sich, um für Blüthenund Früchte das Erforderliche entbehren und abge-ben zu können. Die Kräfte, die in ihm liegen, müs-sen sich noch entwickeln und die nöthige Stärke be-gründen, die ihm nöthig ist, um inskünftige rechtlange bestehen und Früchte tragen zu können. Treibtaber der Gärtner zu früh die Blüthe und die Früch-te hervor, so drängen sich die Kräfte, die im Baumejiegen, zu sehr nach denselben hin: das Innere desBaumes kann sich dann nicht genug entwickeln; derStamm bleibt schwach und kraftlos; die Blätter wer-den matt; die Frucht selbst wird nicht völlig ausge-bildet; sein Fruchtsaame und seine Sprößlinge sindweniger tauglich; der Baum wird erschöpft und stirbtzu früh ab. Der verständige Gärtner entfernt da-her alles, was seinen Baum zu früh zur Reife
Druckschrift
Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
278
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten