#77Widernatürlichkeit halten, als die seyn würde, wennJünglinge und Jungfrauen den unmündigen Kindern,und wenn Erwachsene der erst aufblühenden Jugendglichen. Ihr wisset es alle, daß es gewisse Gedan-ken giebt, welche wir als Kinder noch nicht gedachthaben oder doch wenigstens jetzt für Gedanken hal-ten, die dem Kindesalter nicht zukommen. Wir hal-ten dafür, daß diese Gedanken erst dem kommendenAlter gebühren und früherhin solche Gefühle weckenwürden, durch welche in die Entwicklung der Naturder Kinder eine gewisse Unordnung käme. Wir glau-ben alle, daß diese Gefühle erst im gereiftern Altersich regen dürfen, und daß solche früherhin ein Be-tragen zur Folge haben würden, welches sich für diefrühere Zeit nicht geziemt. Wir stimmen alle in derUeberzeugung überein, daß es für jedes Alter desMenſchen ein eigenes Betragen gebe, und daß es ei-ne widernatürliche Unordnung sey, in dem einen Al-ter das Betragen des andern Alters annehmen zuwollen. Im Frühlinge des Lebens soll der Menschdenken, empfinden, und handeln, wie es sich nachder Ordnung der Natur für diesen Frühling, und inden übrigen Zeiten, wie es sich hinwiederum für die-se geziemt. Das hieße der Natur vorgreifen, wennman durch Kunst und Gewalt reif machen wollte,was noch wachsen und blühen sollte. — Jede Ueber-tretung der Ordnung der Natur straft sich von selbst,
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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