60271will, in dem ist nicht Wahrheit und nicht Tugend,der wird nicht Lust haben, in der Weisheit und Kunstgründlich, in der Tugend und Liebe lauter zu werden.Darum, meyne ich denn, hätten wir wohl großeUrsache, bey der Erziehung unsre Kinder auf diesenFehler sorgfältige Rücksicht zu nehmen; große Ursache,von der gewöhnlichen Sitte abzuweichen und uns demStrome des Verderbens, den gewöhnlich Eltern selbstüber ihre Kinder herbeyleiten, mit vernünftiger Ueber-legung zu widersetzen. Eine Erziehung, die ganz ge-gen die Mode, aber die desto vernünftiger und über-legter ist, — o ihr Eltern, die mögen wir wohl rechternstlich anwenden, um unsre Kinder auch vor diesemVerderben zu bewahren. Die Kunst, besser zu er-ziehen und vor jener Sucht zu glänzen zu verwahren,ist nicht schwer: lasset uns nur so, wie man gewöhn-lich mit den Kindern verfährt, nicht verfahren!Sehet, da ziehen Eltern ihre Kinder hervor, umandern Leuten zu zeigen, welche Kinder sie haben;da kommen die Kinder dann bald auf den Gedanken,sie müßten wohl zeigenswerthe Vorzüge besitzen,spüren diese aus und lernen sie — recht glänzend anden Tag legen: nun, so lasset uns nicht also thun! —Sehet, da führen Eltern ihre Kinder in Gesellschaf-ten, rühmen da vor Freunden und Bekannten, ihreTalente, ihre Geschicklichkeit, ihren Fleiß, ihre Lern-begierde, vergleichen sie mit andern Kindern, preisen
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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271
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