Druckschrift 
Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
256
Einzelbild herunterladen
 

25655gefunden: dann kömmt es mir vor, als wenn wohlnicht wenige von denen, die zu dem jetzigen jüngernMenschengeschlechte gehören, einstens, wenn auch sieihren Lauf vollendet haben, von der Mühe und Ar-beit, welche sie gehabt, und von dem Kampfe, densie gekämpft, nicht viel würden zu sagen haben, da-rum weil sie nicht viel arbeiteten, nichtviel kämpf-ten während ihres Lebens. Denn wahrlich, es giebtheut zu Tage gar zu viele solcher Menschen, diesich nicht für Sorge und Arbeit gebohren dünken undblindlings, flatterhaft und unstet ihre Tage verbrin-gen. Wie Viele irren mit zerstreuter Seele umher,statt auf irgend ein Geschäft ihre ganze Aufmerksam-keit zu richten. Wie Viele flattern von einem Ge-genstande zum andern, ohne das, was sie sehen,recht zu sehen, und ohne das, was sie treiben, rechtzu treiben. Wie Viele wirken, ohne ihre Geschäftezu überlegen und anzuordnen, ganz unüberlegt undunbesonnen, thun, was ihnen jedesmal vorkömmt,blindlings hin, ohne dabey irgend einen Plan zubefolgen und irgend eine Ordnung zu beobachten. WieViele verschwenden die stillen Stunden, da sie ihrTichten und Trachten in ruhige Erwägung ziehenund anordnen könnten, mit eitelm Tand; die stillenStunden des Abends, die unsre Vorältern zurSammlung und Erheiterung ihres Gemüths anwen-deten, wie werden diese jetzt von so Manchem in