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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
229
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22050so sehr von Eigennutz beseelt sind und oft so wenigLust haben, für Andre irgend etwas zu thun: wassind wir dann gegen Ihn, dem nichts zu schwerwar, wenn er Gutes wirken konnte? Wenn wir oftso träge und schwachherzig sind, daß wir für unsreNebenmenschen nichts hingeben mögen: was sindwir dann gegen Ihn, dem nichts, auch sein Lebennicht zu theuer war, um es für das Beste der Weltaufzuopfern? Wenn wir manchen Nebenmenschendarum geringschätzen, weil er andrer Meynung, an-dern Glaubens ist, als wir: was sind wir dann ge-gen Ihn, bey dem der Samariter so viel galt, alsder Jude? Wenn wir wohl gar um des Abendmahls,um dieses Mahles der Liebe willen, die Liebe ausden Augen setzen und mit thörichter Unduldsamkeitunsre Herzen von einander entfernt halten: was sindwir dann gegen Ihn, der in allen Menschen, welcherMeynung sie auch seyn mochten, Brüder und Schwe-stern sah? Wenn wir am Altare der Liebe selbst mitkleinlichem Stolze auf Rang und Stand sehen; wassind wir dann gegen Ihn, bey dem Rang und Stand,Kleid und Schmuck nichts, Redlichkeit und Weis-heit aber alles galt? Fürwahr, Geliebte, dasheilige Abendmahl ist eine ehrwürdige Stiftung auchdeswegen, weil es uns unsre Thorheit vorhält und durchdie Vergegenwärtigung des Bildes Jesu zu der Liebe er-mahnt, die wir so oft aus den Augen setzen! Lasset mich