212#dies das Fest zum Andenken eines so großen Wohl-thäters, zur Erinnerung so vieler und großen Ver-dienste seyn soll; sehe ich doch so Viele gedankenlos,zerstrent, so ohne alle dankbare Rührung, sehe ichdoch so Viele wie von ängstlichem Schauder und bangerBeklommenheit erfüllt am Altare stehen? — Wieverstehe ich das, daß Viele sogar ohne eigentlichesGefühl für das, was göttlich und heilig ist, dieseheilige Sitte mit den Uebrigen seyern, um sich vorGott und Menschen den Schein eines frommen Sinnszu geben und sich durch dieses verdienstlose Benehmendie Gnade Gottes zu erdienen? wie verstehe ich das?— Und wie würde dieser Fremdling erst erstaunen,wenn man ihn in ein Krankenzimmer führte, wo gradeein christlicher Religionsdiener geschäftig wäre, einenKranken mit diesem heiligen Mahle nach der gewohn-ten Weise zu berichten; wenn er sähe, wie dieserKranke, oft mehr oder weniger durch Fieberhitze,Schwäche oder Angst um seine Besinnung gebracht,diesen Gebrauch feyert, um sein Gemüth über dasBewustseyn begangener Thorheiten und Sünden zu-frieden zu stellen, seine Zweifel und Beängstigungenzu beschweigen und sich die Huld eines gnädigen Got-tes zu versichern; wenn er ihn nach gehaltener Feyer-lichkeit wohl gar sagen hört, „nun habe er sich mitunserm Herrgott versehen, nun sey er würdig auf sei-nen Tod vorbereitet und sein letztes Stündlein werde, es
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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