⁵⁹191nicht mit äusserm Gebehrdenspiel, sondern im Geiste undin der Wahrheit angebetet werden. Wenn vormalsdie Tempel eher Gefängnissen als Stätten der Anbe-tung ähnlich sahen: so erblicken wir sie dagegen jetztschon häufig in reine, geschmackvolle und angenehmeGebäude verwandelt. Wenn vormals die Religions-vorträge, Gebete und Gesänge für den denkendernund feiner fühlenden Menschen von anstößigen Behaup-tungen, aberwitzigen Menschensatzungen, widerschrift-lichen und antichristischen Vorstellungen voll waren:so sind sie dagegen jetzt großentheils schon mehr mitSchrift und Vernunft in Uebereinstimmung gekom-men. Wenn vormals, gleichsam in den Zeiten einerjugendlichen Unmündigkeit, beym öffentlichen Gottes-dienste Alles fast nur auf die sinnliche Denkungsartder Menschen und auf Erweckung dunkler Vorstellun-gen und Gefühle berechnet war: so finden wir dabeyjetzt hingegen, gleichsam im reifern männlichen Alter,mehr Nahrung für unsern Verstand. Dies und vielesandre ist unstreitig Verbesserung. Aber wie weit ha-ben wir es durch alle diese Verbesserungen gebracht?Finden Wir jetzt mehr Freude an dem öffentlichen Got-tesdienste, als vormals unsre Vorfahren? SuchenWir jetzt in unsern Tempeln mit mehr Eifer die re-giöse Belehrung, als vormals unsre Vorfahren Er-regung und Erschütterung ihres Gemüths darin such-ten?Finden Wir gereiftern erwachsenern Christen
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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