#175reinem Herzen und lauterm Willen gesinnet seyn undhandeln, so wie es die Pflicht gebeut. Ein starkesGemüth soll er den Versuchungen zum Bösen entge-genstellen und auch dann, wenn seine sinnlichen Nei-gungen widerstreiten, soll es ihm Lust und Freudeseyn, zu thun nach Gottes Gebot. Mit anhalten-dem und standhaftem Eifer soll er die Bahn der Tu-gend verfolgen, ohne je zu ermüden und ohne seit-wärts zu schwanken. Alles, was in ihm ist, alleseine Gedanken, Empfindungen, Entschließungen,Neigungen sollen in ihm harmoniren; er soll sichüberall und immer gleich seyn, in jedem Verhält-niß, in jeder Lage und unter allen Umständen thun,wozu die Stimme Gottes in seinem Gewissen ihnauffordert. Seine ganze Natur soll stets gerichtetseyn auf das, was recht und gut ist. Kurz, Rein-heit, Stärke, Ausdauren und Allgemeinheit, dassind die Eigenschaften, die die Tugend des Menschen,wenn sie rechter Art und vollkommen seyn soll, ansich haben muß. — So überhoch auch Mancher einesolche Höhe der Tugend finden und so viele Hinder-nisse und Schwierigkeiten in Ansehung ihrer Errei-chung er sich auch vorstellen mag: so ist er es sich dochbewuſt, daß nur dieſe Höhe der Tugend die rechteHöhe sey, er wird es sich doch gestehen, daß dieseWürde es sey, welche zu erstreben seine Vernunftihm zur Pflicht macht und sein Gewissen ihn antreibt.
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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175
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