#755) Ja, erst bey diesem Glauben — und dies istendlich der dritte Punkt, den ich zu erwägen bitteerst bey diesem Glauben können wir es begreifen,wie es möglich sey, es in der Tugend soweit zu bringen, als wir es darin brin-gen sollen. Denn die Tugend, welche der Menschin seinem Herzen und Leben zu beweisen durch Ver-nunft, Gewissen und Schrift berufen ist, ist nichtjene alltägliche Tugend, womit so viele Menschensich leider zu begnügen pflegen. Es ist dazu nicht ge-nug, daß man sich von offenbaren in die Augen sal-lenden Sünden und Lastern enthalte, nicht raube,nicht betrüge, nicht ausschweife, nicht lästere; nichtgenug, daß man aus Klugheit sich vor allen denjeni-gen Fehlern hüte, wodurch man an Haab und Gut,Ehre und Freude zu Schaden kommen könnte, undalles dasjenige Gute übe, wodurch man Vortheileerlangen, sich Ehre und Ruhm erwerben, sich Freudeund Bequemlichkeit verschaffen wird. Nein, unsreTugend, unſre Gerechtigkeit muß beſſer, muß edlerseyn, als eine solche Gerechtigkeit der Pharisäer,sagt Jesus, sonst sind wir nicht die rechten Menschen,nicht die rechten Bürger im Reiche Gottes. Es mußunsre Tugend aus dem Innersten unsers Herzens undzwar aus einem durchaus guten reinen Willen hervor-gehen. So lautet das Gebot der Vernunft; so lau-tet das Gebot der Schrift; dazu treibt uns der Drang
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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