5172letzten Sohn will ihr der König lassen und auch sieselbst verschonen, wenn sie ihn bereden will, abzu-fallen; aber sie spottet des Tyrannen und spricht zuihrem Sohne: ſieh, mein Sohn, den Himmel unddie Erde und die Menschen, dies alles hat Gott ausnichts erschaffen, fürchte dich nicht vor dem Henker,stirb gern wie deine Brüder, der gnädige Gott wirddich samt ihnen wieder lebendig machen und mir wie-der geben. Sie hat noch nicht ausgeredet, als schonder Jüngling ausruft: denket nicht, ich wolle demTyrannen gehorchen, ich halte das Gesetz; meineBrüder sind eine kleine Zeit gemartert worden undwarten jetzt des verheissenen ewigen Lebens! — Erwird noch fuͤrchterlicher gemartert und bleibt standhaft.Die große edle Mutter sieht ihre sieben Söhne alle anEinem Tage hinrichten und bleibt ihrem Gewissen- 0und ihrer Ueberzeugung getreu (2 Maccab. 7.)es war der Glaube ans ewige Leben, m. Fr., derdiese Mutter und ihre Kinder so groß und muthig,der den Paulus zu einem so standhaften Apostel, derden Stephanus zu einem so getrosten Märtyrer machte.Diese Kraft des Glaubens sehen wir nirgends anschau-licher und kräftiger bewiesen, als in diesen angeführtenExempeln. Darum nichts weiter zum Beweise meinerBehauptung. Wer die Sache mit ſeinem Verſtande undmit seinem Herzen erwägt, wird gewiß mit mir ausru-fen: das ist ein köstliches Ding, daß wir unsterblich sind!
Druckschrift
Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten