S120der eine hat viele Kenntnisse, der andre wenige; dereine hat Erfahrung, der andre keine; der eine hältauf Reichthum, der andre mehr auf Ehre, ein drit-ter mehr auf Ruhe, ein vierter mehre auf Weisheit;der eine lebt an einem Orte, wo er vieles erwerbenkann, der andre in einer Gegend, wo wenig zu er-werben ist; der eine zeigt sich als einen weisen, thä-tigen, gütigen rechtschaffenen Menschen, den andernsieht man als einen thörichten, trägen, gleichgültigen,verkehrten. Wie ist es darum anders möglich, alsdaß der eine vor dem andern zu größerm Reichthum,zu größerer Ehre und zu höherm Ansehen gelangt?Es wäre auch nicht gut, wenn diese hieraus entste-hende Verschiedenheit nicht da wäre: denn, wenn dieMenschen alle unter einander gleich wären, so würdeein Jeder sich selbst alle erforderliche Dienste thunmüssen; es würde keine Nacheiferung, keine Wirk-samkeit und Strebsamkeit statt finden; man würdenicht mehr Gelegenheit genug haben, Liebe zu üben;und so würde das Band, welches die Menschen zuihrem Glücke unter einander verbindet, gelöset seyn. EinJeder würde für seine eigene Person allein da stehen, undohne Rücksicht auf Andere seine Neigungen befriedigen.2) Ein Aehnliches gilt von der Freyheit. Viele,wenn sie Freyheit suchten, verlangten, daß mana) keinen Gesetzen und insbesondre b)keinen bürgerlichen Einrichtungen und
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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