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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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119
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119✋⁰1) Wenn sie Gleichheit unter einander suchten,so verlangten sie, daß die Verschiedenheita) des Vermögens, des Standes und b)des Ansehens aufhören sollte. Keiner solltebeträchtlich reicher seyn, als der andre. Der einesollte nicht von Millionen schwelgen, indeß der andrekümmerlich erworbenes Brod äße. Keiner sollte durchseine vornehme Herkunft über andre ganz erhabenund wegen seines äußern Glanzes von andern ganzabgesondert seyn. Keiner sollte wegen seiner nie-drigen Herkunft ganz tief unter dem andern stehenund wegen seiner Niedrigkeit ganz übersehen werden.Keiner sollte vor seinen Nebenmenschen den Vorranghaben und ihnen befehlen dürfen. Keiner sollte vondem andern beherrscht werden. Sondern alle solltenunter einander leben, wie sie von der Natur sind aufdie Erde gepflanzt worden, als Brüder und Schwe-stern, die alle Einen Vater haben und alle von EinemGott geschaffen sind. Schön lauten diese Worte; abersie sagen etwas, was unmöglich und nicht gutist. Haben nicht die Menschen verschiedene Anlagenund Fähigkeiten? sind sie nicht verschieden durch ihreKenntnisse? verschieden durch ihre Neigungen? ver-schieden durch ihre äussere Lage? verschieden durchihre Gesinnungen und durch ihren Lebenswandel? DerEine hat viele Kraft des Leibes und der Seele, der andrewenig; der eine ist unternehmend, der andre verzagt;