#55sten Gelehrsamkeit und der bewundernswürdigstenKunst dennoch nur gar zu häufig jedes Priestermährchenfür Wahrheit, jedes ungewöhnliche Wesen für einenGott, jede Kirchenſatzung für göttliches Gebot auf-nahmen und im unerklärlichsten Widerspruche mit sichselbst ihren eigenen Geschöpfen Altäre bauten. Fin-sterniß bedeckte das Erdreich und Dunkel die Völker.Das sah der Herr und er erbarmte sich der Menschen-kinder, er wollte sie erretten von der Obrigkeit derFinsterniß und sie versetzen in das Reich seines liebenSohnes, in das Reich des Lichts. (Coloss. 1, 12. 13.)Dieses Reich ist ein hohes, helles Land; es steht er-haben über dem Nebel, worin wir uns mit unsernZerstreuungen und Mühen herumjagen; da ist es,als ob wir heller sähen mit den Augen unsers Ver-standes, wiewohl wir blos den reinen Sinn über dietrüben Nebel emporheben. In diesem Reiche desLichts sollen wir uns und alles, was uns umgiebt, inſeiner wahren Geſtalt erblicken. Was wir ſind undwas wir seyn sollen, woher wir kamen und wohinwir gehen, was wir genießen und was wir werden,was wir erfahren und was wir hoffen, das soll unsin diesem Reiche, so viel als möglich und dienlich ist,offenbar werden. Wir sollen es hier bemerken lernen,daß alles Arbeiten und Sorgen, alles Entbehren undGenießen, alles Wirken und Dulden auf etwas Grö-ßeres und Höheres hinleite, als der verfinsterte oder
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Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
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