Druckschrift 
Predigten und Reden an Festtagen und bey besonderen Gelegenheiten
Entstehung
Seite
54
Einzelbild herunterladen
 

#54wie kleine Geschäfte, ein wie ruhiges oder wie unru-higes Leben wir auch haben mögen: des Lichts, derErleuchtung bedürfen wir alle, um auf unserm Postendas Unſrige gehörig thun und dem Laufe der Weltzufrieden und ruhig zusehen zu können. Wenn wiruns, wie gewöhnlich, unter Sorgen und Mühen desLebens oder unter mancherley Zerstreuungen umher-treiben: so verliehren wir uns leicht selbst aus demSinne, wir jagen uns dann allmählig in einen Nebelhinein, der die Augen unsers Verstandes trübt; wirsehen dann die Dinge der Welt nicht mehr in ihrerwahren Gestalt; wir tappen im trüben Dunkel, ohneden Weg zu bemerken und ohne das Ziel des Wegesim Auge zu behalten; wir blicken um uns und überuns und vor uns hin und sehen nichts oder allerleytäuschende Gestalten. So war es einstens unter demVolke, das sich ein auserwähltes Volk dünkte.Es rühmte sich seiner Weisheit und hoher Offenbarun-gen, und war doch in manchen Stücken so kindisch.Es rühmte sich des einzig wahren und alleinseligma-chenden Glaubens, und zitterte doch vor dem, was dro-ben und vor dem, was jenseits ist, wie banggemachteKinder vor einem Schattenbilde. Es rühmte sich derreinsten Einsicht in das, was heilig und göttlich ist,und doch war das Allerheiligste, vor dem es kniete,von Menschenhänden gemacht. So war es leider un-ter allen andern Völkern der Erde, die bey der tief-