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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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förderte, was zuvor vielleicht unmöglich geschienen, worüber man nachwärtsdie Frage aufwerfen möchte: wo denn hiezu die allseitigen Mittel hergenommenworden ?

Dasselbe fand bei der christlichen Baukunst statt, die wir wohl in ihren An-fängen und allsolange sie noch im Ringen nach der Vollendung begriffen war,nach Reichen oder Völkern benennen mögen; für die wir aber, sobald sieTräger und Abbild des zur Alles durchdringenden Lebenskraft entfaltetenGlaubens geworden, mit Recht keinen andern Namen mehr als den der christ-lichen angemessen finden dürften. Denn was auf geistigem Gebiete der Glaubenach der einen Richtung zum Bewußtsein bringen, nach der anderen alsobersten Zweck der Lebensaufgabe erfassen wollte: die Erkenntnis einesüber allem waltenden, durch eine unendliche Fülle von Mittelgliedern aberjedem zu aller Zeit und allerwärts nahestehenden Vaters der Barmherzigkeit;dann der Sieg des Geistes über die Materie das sollte durch diese Bauwerkedem Auge zur Anschauung gebracht, sie sollten die sichtbaren Symbolejener großen Grundwahrheiten werden. Dachte sich der Glaube die Erlösung,dem Räume nach auf dem Mittelpunkt der Erde, der Zeit nach in deren Füllegeschehen, wollte der Geschichtsschreiber zur allgemeinen, der Einzelnewenigstens zu eigener Anerkennung bringen, daß in allen Begebnissen, inErhofftem und Unerwartetem, in Erfreuendem und Betrübendem, die zahl-losen Fäden der göttlichen Gnade stets an jeden Einzelnen auslaufen, soführen diese Bauwerke mitten in die große, alles umfassende Heilsanstalthinein und zeigen in der unermeßlichen Fülle ihrer Einzelheiten deren stetsfortlaufende und vielartige Vermittlung durch den Menschen und für denMenschen. Wie sodann das christliche Menschengeschlecht in dem Ringenum den Sieg des Geistes über die Materie in seiner Gesamtheit dem Ziele nienähergekommen ist, als in dieser Zeit; wie ein Zug, von der Welt sich los-zusagen, der Beschauung sich zu weihen, in Entbehrungen bis an den äußer-sten Saum des Möglichen zu gehen, zeitlicher Habe seines Heils wegen sichzu entschlagen, das Leben für ein immaterielles Gut einzusetzen, allgemeinereingreifend durch dasselbe niemals ergangen ist; so möchten wir sagen, habeeben dieser Zug in den Bauwerken sich verkörpert, daß sie leicht, hell undschlank und dennoch unerschütterlich fest hinansteigen, anbei von materiellenMitteln nur das Unentbehrliche sich aneignen; somit der Geist auch hier dieMassen bewältigt, über die Materie den Sieg errungen hat, daß desto freierund ungehemmter er walte, hinauf zu der Quelle desselben. Dann wiederdieser unübersehbare Reichtum besonderer Gestaltungen, jede scheinbar inabgeschlossenem Bestehen eine eigene Bestimmung erfüllend, alle aber durchMaß und Ordnung und ein Gesetz und einen Zweck unter sich und demGanzen verbunden; gleichwie die Kirche ihre tausend und tausend Gliederauf mancherlei Lebensbahnen und unter verschiedenartiger Lebensäußerungdurch einen Glauben und einen Geist und ein Gesetz der Liebe zum großenlebendigen Gottestempel vereinen will. (Friedrich von Hurter, GeschichtePapst Innocenz' III., 1842.)

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