der Rundbau der Hofkirche, die vom antiken Zentralbau bedingt, aber mitihrer Verbindung von Kuppel und gewölbtem Obergeschoß eine eigene Fin-dung des Rheines ist, der Kreuzbau der Stifts- und Pfarrkirche, die von deraltchristlichen Basilika bedingt ist, aber in der neuen Verbindung von Lang-haus und Querhaus, Krypta und Chorschmuck die Grundgestalt für denKirchenbau des nächsten Jahrtausends wurde. So tritt uns auch hier amBeginn unserer Baukunst die rheinische Dreieinheit von Antike, Christen-und Germanentum deutlich entgegen, und im wechselnden Widerspiel derbeiden Grundgestalten, des mittegeordneten Münsters und der langgeordnetenBasilika, drückt sich der fruchtbare Kampf der ursprünglichen Kräfte inden kommenden Zeiten auf immer neue, doch immer heimatlicher werdendeWeise aus: eine getrennte Lösung findend in St. Gereon, den erhabenstenund erschütternsten Eindruck der Einheit in Maria-im-Kapitol und baldoffener, bald verdeckter weiterwirkend in den Doppelchören, in den umden Vierungsturm fast kreisgestellten Flankentürmen unsrer romanischenDome in Kloster und Stadt. Ununterbrochen bauten die Kaiser- und Adels-,Mönchs- und Bürgergeschlechter an diesem steinernen Loblied Gottes amRheine weiter, und bald ging der Zug von Nord nach Süd und West nachOst, wie unter den Karlen und Ottonen, bald von Süd nach Nord und nachallen Seiten, wie unter den Saliern und Staufern, als der Mittel- und SüdrheinTräger unserer Größe, und der Dom von Speier die führende Mitte der abend-ländischen Baukunst wurde: er wie Mainz und Worms, Maria Laach undLimburg und unzählige andre das gewaltigste Zeugnis gebend von der ge-bändigten Spannkraft des deutschen Geistes, von der glücklichen Verbindungfrüher strenger Herbheit mit der Lust am heiteren Schmuck und stolzenPrunk, dem Merkmal rheinischer Landschaft und rheinischen Volkes. Wohlwaren im Vergleich zur Antike die Spannungen des Geistes vor den offenenund unergründlichen Geheimnissen größer geworden, Himmel und Erde,Seele und Leib weiter voneinander getrennt, und der Kampf zwischen Höheund Tiefe, Gnade und Schuld, Verzicht und Lust hatte sein furchtbares Spielin jeder Brust begonnen. Aber noch hielten die Mächte einander im Gleich-gewicht, und die türmende Wucht der romanischen Dome bildete mit demgurtenumspannten Innern eine sichere leibliche Einheit von ruhigem feierlich-ernstem Adel. Als dann der gotische Formwille im nördlichen, fränkisch be-siedelten Gallien zur Reife gedieh und mit seinen weitgespannten Rippen-gewölben, den hochaufschießenden Wahrzeichen seiner Türme dem Geist dererstarkenden Bürgergeschlechter gemäßen Ausdruck lieh, als aber in ihmauch die letzte fast verschwebende Himmelssehnsucht des JenseitglaubensGestalt erhielt und die festen leibhaften Mauern zu sprengen drohte, sträubtesich gerade das Rheinland lange gegen die neue französische Weise, die seineSonderart brechen wollte. Von Elsaß bis Holland blieb die wuchtige Schwereauch unter den schwebenden Formen des Rippengewölbes noch lange herr-schend, und als dann endlich zwei große Meister, Erwin in Straßburg undGerhard in Köln, der neuen Baukunst zum Siege verhalfen, schnitten siedoch nach Übernahme der fremden Weise fast schroff den westlichen Einstromab, gestalteten das westfränkische Gut im heimatlichen Geiste um und
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