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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
Entstehung
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wäre nur die schöne Tat, die Frucht ihres Fleißes, aber nicht der Name (die Namen)

der wackern Männer, die sie verrichtet haben, auf unsere Zeiten gekommen.-------

Wir haben hundertundvierzig verschiedene Dichter bekommen, welche sieaufgebracht haben, und von nicht wenigen derselben sind über zweihundertStrophen da. Nach einer flüchtigen Rechnung mag das Buch wenigst sechs-tausend Strophen in sich fassen. Die Handschrift hat nicht mehr als zweiverschiedene Hände, wir vermuten stark, daß sie von ihrer eigenen Handund vornehmlich des Chorherrn sei. Die große Pracht, die an das Werk ge-wandt ist, machet es glaubwürdig. Es ist auf feines Pergament geschrieben,welches das Format von dem sogenannten Großfolio hat. Die Kolumnensind ordentlich gespalten, und die Zeilen mit dem Lineal abgemessen. Es istein netter, vollkommener und geschickter Buchstabe. Es gibt nur wenigeLituren oder an dem Rande gezeichnete Verbesserungen. Die Abkürzungender Schrift sind die damals gewöhnlichen und derselben nicht viele. DieFarbe des Buchstabens hat sich so wohl erhalten, daß sie nur an wenigenStellen etwas verblichen ist. Vor jedem Poeten sind Gemälde angebracht,die das Werk für die Zeiten, in welchen es verfertiget ward, besonders kostbarmachen. Die Zeichnung ist zwar nach der geringen Kunst desselben Welt-alters schlecht genug, aber das Kolorit ist überaus hoch und lebhaft. DasGold ist daran nicht gespart worden. Über jedes Gemälde war ein Vorhangvon Taft von roter, gelber, oder anderer Farbe gezogen, deren itzo noch etlichevorhanden sind. Die Vorstellungen in jenen zielen auf irgendeine besondereNeigung des Poeten, auf seine Liebe zum Jagen, zum Reigerbeizen, zumReuten, zum Turnieren, zur Poesie oder sie enthalten eine von seinenGeschichten, womit er sich im Felde gefürchtet oder beim Frauenzimmerbeliebt gemacht hat. Bei den meisten sind Schild und Helm sehr genau nachdem Blason vorgestellt. Überhaupt sind sie in Absicht auf die Waffen, dieKleidung, die Kriegszurüstungen sehr merkwürdig; sie geben von vielendergleichen Stücken ganz bestimmte Begriffe, die man aus der Beschreibungder Poeten und der Geschichtsschreiber nicht so deutlich bekommt.Jede Strophe wird a Linea mit einem Versalbuchstaben angefangen, aberdie Verse selbst sind nicht in Zeilen abgesetzt, sondern werden von einerLinie in die andere fortgeführt und nur hinter jede Reimsilbe ein Punkt ge-setzt. Vom andern Unterscheidungszeichen weiß der Kodex nichts. An demHaupte des Buches stehet von der Hand des ersten Schreibers ein genauesVerzeichnis der Poeten, die darin begriffen sind nach der Ordnung, in welchersie vorkommen. Am Ende der Liste heißt es: Die hie gesungen hant un zemale sind ir C und XXXVIIII. Es muß noch einer hinzugekommen sein,denn wir haben hundertundvierzig. Wir haben gefunden, daß einigemal die-selben Strophen unter zwei verschiedene Namen kommen. Herrn Heinrichvon Rugge werden nicht wenige gegeben, die man schon zuvor unter Reinmarsdes Alten Liedern gesetzt hatte. Teschier hat einige bekommen, die auchunter dem Namen des von der Vogelweide stehen. Eine und dieselbe Strophestehet unter den Liedern dieses Poeten zweimal. In Grave Werners vonHouberg sind die zweite und die fünfte Strophe von einer spätem Hand.(Johann Jakob Bodmer, Sammlung von Minnesingern, 1758.)

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