Im Norden ballten sich die großen Territorien Brabant, Holland, Seeland unddie kleinen Herrschaften der Niederrheinlandschaft zum Widerstand, imSüden war die Abwehr in die Hand Österreichs, der oberrheinischen Städteund der Eidgenossen gegeben.
Die Burgunder Pforte und die Jurapässe wurden zuerst bedroht. Sie lagenin schwacher Hut, denn Österreichs Macht war im Schwinden. Die Habs-burger hatten seit dem Tag von Morgarten Stück um Stück ihres reichenBesitzes an die freiheitsdürstenden, eroberungsfreudigen Eidgenossen hingebenmüssen. Luzern, Zürich, Zug, Glarus und Bern hatten sich dem Bund derdrei Waldstätte gesellt und den Versuchen Österreichs, sie wieder unter dieGewalt Habsburgs zu beugen, siegreich widerstanden.
Da raffte Herzog Leopold III. sich im Jahre 1386 zu einer gewaltigen An-strengung auf, die bröckelnde Macht seines Hauses zu erneuern. Er ver-pfändete Hab und Gut und rückte mit 4000 adeligen Lanzen gegen das trotzigeVolk der Berge, das die fürstliche Gewalt schon im Seeland zwischen der Reußund der Aare und an der Limmat auszurotten begann und sich bereits eigeneGesetze gab. Der Herzog wandte sich gegen Luzern und erschien plötzlichauf der Hochfläche am Ufer des Sempacher Sees. Da eilten die Aufgeboteder Eidgenossen in Gewaltmärschen der Reuß zu, um ihm den Weg zu ver-legen und ihn zur Schlacht zu stellen. Am 9. Juli 1386 trafen die Gegner auf-einander. Leopold lag vor dem Städtchen Sempach, als die Vorhut derSchweizer auf der Höhe von Hildisrieden über dem breitansteigenden rechtenUfer des Sees sichtbar wurde. Er sprang sofort in den Sattel, um freies Feldzu gewinnen, und ging dem Feind bergwärts entgegen.Da das Gelände nicht zum Anritt taugte und die Rosse den Steinhagel derSchweizer scheuten, stiegen die schwergerüsteten Herren auf der grünenMatte ab und ordneten sich zum Fußstreit. Leopold trat selbst ins Glied undvergaß der Leitung über dem Vorkampf. Von beiden Seiten quollen die Streiteraus der Marschkolonne in die Schlachthaufen. Die Österreicher taten denersten Stoß und brachten die Eidgenossen in große Not. Das Luzerner Bannersank im Getümmel, der Vorhaufen kam ins Wanken. Aber keiner wich,und als sich die ganze Macht der Eidgenossen zum Gegenstoß ballte, zerbrachden Österreichern die Kraft. Sie wurden in die Verteidigung gezwungen undfochten bald im Sonnenbrand um Stand und Leben. Der behende Feind ge-wann den Ermatteten die Flanke ab, brach mit Hellebard und Morgensternin die ritterliche Phalanx ein und sprengte sie auseinander. Die Österreichersuchten zu den Pferden zu gelangen, aber nur wenigen glückte der Aufstieg.Die Aufgesessenen wurden in die Flucht geworfen, die Rosse samt den Knech-ten in die Weite gescheucht, und der Herzog mit den edlen Herren, die biszuletzt im Streit gestanden, auf der Sommermatte ob dem See in grauen-vollem Gemenge erschlagen.
Die Schlacht bei Sempach brach Österreichs Macht an den Seen und im Ge-birge reußabwärts bis zur Aare und gen Osten bis zum Graubündner Rhein.Als die Glarner sich zwei Jahre später bei Näfels eines letzten Gegenstoßeserwehrten und den Feind über die Linth warfen, bequemte Österreich sichzur Anerkennung des Bundes. Aber der Friede gedieh nicht zur Versöhnung.
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