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2 (1926) Sicht in Vorzeit und Mittelalter
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und Übelstände zu beseitigen, die, aus früheren Jahrhunderten stammend,jetzt der Neugestaltung der Rechtszustände und des Handelsverkehrs hemmendentgegentraten, überall ging Lübeck voran, überall griff es in das Getriebeder nordischen Politik ein und wußte so in immer weiteren Kreisen das An-sehen seiner Stellung zu betätigen. Schon verknüpften enge Freundschafts-bande die deutsche Reichsstadt mit den Fürsten Frankreichs und mit derKrone Polens. Bis zu den eisigen Ufern des Ladogasees wie zu den sonnigenMeeresbuchten Italiens trugen zahlreiche Handelsflotten den Ruhm der bal-tischen Meeresherrscherin, und nicht ferne lag die Zeit, wo dieser deutscheFreistaat als Vermittler der romanischen Südwelt und des slawischen Nordenssich ebenbürtig dem Löwen von San Marco wie der übermütigen Wolchow-republik zur Seite stellen durfte. (Kurd von Schlözer, Die Hanse und derdeutsche Ritterorden in den Ostseeländern, 1851.)

DER KAMPF UM DEN RHEIN UND DIE SCHLACHT VON SEMPACH

Als die englischen Bogenschützen die französische Ritterschaft am 26. August1346 in der Schlacht bei Crecy unter ihren langschäftigen Pfeilen begruben,lebte Ludwig der Bayer noch, aber er war in Hausmachtpolitik befangenund sah sich von dem Gegenkönig Karl IV. bedroht, den die Mehrheit derKurfürsten auf Betreiben des Papstes Clemens VI. auf den Königsstuhl ge-hoben hatte. Ludwigs Tod ließ das Reich in Zerrissenheit zurück. Das HausWitteisbach suchte König Karl vergebens einen Gegenkönig gegenüber zustellen. Karl IV. wurde im Jahre 1355 zu Rom mit der Kaiserkrone ge-schmückt und bewahrte dem Hause Valois die Freundschaft, die er ihm vonJugend auf bewiesen hatte. Als der mächtige Herr von Böhmen den siebenKurfürsten in derGoldenen Bulle" außer dem Rechte der Königswahl dieUnteilbarkeit ihres Besitzes und nahezu volle Landeshoheit verhieß, um sieseinen Hausplänen günstig zu stimmen, wurde der königliche Machtgedankeim heiligen Römischen Reich begraben.

Der Rhein lag fürder nicht mehr unter dem Schutz der deutschen Königs-macht, sondern im Schöße einer Fürstenrepublik, deren erlauchteste Herren mitgeteilten Interessen an seinen Ufern saßen und sich nach eigenem Ermessenbewegten. Aber noch floß der Strom in deutschen Gauen, noch waren wederdie Schweiz, noch das Elsaß, noch die Pfalz, noch die Lande der großen Tief-ebene an die französische Grenze geschoben. Doch der Bindung Frankreichsim hundertjährigen Krieg mit England zu Trotz rückte die welsche Gefahrnäher und näher.

Nicht der Franzose, sondern der Burgunder kam. Die jüngere Linie derValois bedeckte sich im Jahr 1363 zu Dijon mit dem Herzogshut und tratden Vormarsch nach Osten und Norden an. Als Herzog Philipp der Kühnesich im Jahre 1369 mit der Erbin von Flandern vermählte, fielen Mechelnund Antwerpen, Dijon und Besan^on in welsche Hand.Die Rhonelinie war für das Reich verloren. Die Scheide folgte nach. DieGefahr rückte, an der Saone aufwärts greifend, an den Doubs und dieLisaine. Die Ardennenpässe und die Burgunderpforte gerieten in Gefahr.

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